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Monday, 29 December 2014

Russland und China bremsen die Taktik von „Teilen und Herrschen“ aus


von Pepe Escobar, Asia Times, 26. 12.2014
Übersetzt von Hergen Matussik, Tlaxcala
ROM und BEIJING- Das römische Imperium praktizierte es. Das britische Imperium hat es nachgeahmt. Das Imperium des Chaos hat es schon immer gemacht. Sie praktizieren es alle. Divide et impera. Teile und herrsche - oder auch: teile und erobere. Die Taktik ist unanständig, brutal und effektiv. Die Wirkung hält nicht ewig wie Diamanten, weil Imperien alle irgendwann zugrunde gehen.

Ein Raum mit Ausblicken auf das Pantheon mag eine Ehrung an die Venus sein, aber er bietet auch einen Einblick in die Arbeitsweise von Mars. Eigentlich war ich in Rom, um an einem Symposium teilzunehmen - GlobalWARning, das von einer sehr engagierten und talentierten Gruppe unter Leitung von Giuletto Chiesa, einem früheren Mitglieds des Europäischen Parlaments, organisiert wurde. Drei Tage später, als der Sturm auf den Rubel entfesselt war, wurde Chiesa festgenommen und aus Estland als persona non grata ausgewiesen, eine weitere deutliche Veranschaulichung der anti-russischen Hysterie, die die baltischen Länder ergriffen hat, und der Orwellschen Kontrolle, die die NATO über die schwachen Glieder Europas ausübt [1]. Abweichende Meinungen sind schlichtweg nicht erlaubt.

Auf dem Symposium, das in einem mit hinreißenden Freskos aus dem 15. Jahrhundert geschmückten Speisesaal der Benediktiner abgehalten wurde, der jetzt Teil der Bibliothek des italienischen Parlaments ist, gab Sergej Glazjew per Telefon aus Moskau eine eindeutige Interpretation des Kalten Krieges, Version 2.0. In Kiew gibt es keine wirkliche „Regierung“, der US-Botschafter führt die Regierungsgeschäfte. Eine anti-russische Doktrin wurde in Washington ausgebrütet, um Krieg in Europa zu schüren - und europäische Politiker arbeiten mit daran. Washington will Krieg in Europa, weil es den Wettbewerb mit China verliert.

Glazjew äußerte sich zum Schwachsinn der Sanktionen: Russland versucht gleichzeitig die Politik des Internationalen Währungsfonds neu zu organisieren, Kapitalflucht zu bekämpfen und die Auswirkungen zu mildern, die die von den Banken verweigerten Kredite für viele Geschäftsleute haben. Dennoch sagt er, dass als Endergebnis der Sanktionen Europa letztlich der wirtschaftliche Verlierer sein wird. Die Bürokratie Europas hat die wirtschaftlichen Interessen der Gemeinschaft in dem Maße aus den Augen verloren, in dem US-amerikanische Geopolitik in den Vordergrund gerückt ist.

Nur drei Tage vor dem Sturm auf den Rubel fragte ich Mikhail Leontjew (Pressesprecher bzw. Direktor der Abteilung für Informationsarbeit und Werbung des staatlichen Ölkonzerns Rosneft) nach den zunehmenden Gerüchten, dass die russische Regierung sich darauf vorbereite, Kontrollmaßnahmen zum Schutz der  Währung einzuführen. Zu dieser Zeit wusste niemand, dass ein Angriff auf den Rubel derart zügig und mit der eindeutigen Absicht durchgeführt werden würde, die russische Wirtschaft kaltzustellen und zu zerstören. Nach einigen köstlichen Espressos in der Tazza d‘Oro gleich neben dem Pantheon sagte mir Leontjew, dass Währungskontrollen in der Tat eine Möglichkeit seien. Aber noch nicht zu diesem Zeitpunkt.

 Was er vor allem betonte, war, dass es sich bei den gegenwärtigen Ereignissen eindeutig um Krieg handelt, der mit finanziellen Mitteln geführt und obendrein von einer fünften Kolonne innerhalb des russischen Establishments unterstützt wird. Die einzige Komponente, bei der in diesem asymmetrischen Krieg Gleichheit herrsche, sei die nukleare Bewaffnung beider Seiten. Gleichwohl werde sich Russland nicht geschlagen geben. Leontjew bezeichnete Europa nicht mehr als handelndes Subjekt sondern als Objekt: „Das Unternehmen Europa ist ein US-amerikanisches Unternehmen.“ Und „Demokratie“ sei zu einer Fiktion verkommen.

Der Sturm auf den Rubel kam und ging  wie ein zerstörerischer ökonomischer Hurrikan.  Aber man bietet einem erfahrenen Schachspieler nicht Schachmatt, wenn die eigene Feuerkraft nicht stärker ist als Jupiters Donnerkeil. Moskau überlebte. Gazprom folgte der Aufforderung von Präsident Putin und wird die Rücklagen in Dollar auf dem heimischen Markt zum Verkauf anbieten. Der deutsche Außenminister Steinmeier gab zu Protokoll, er sei dagegen, dass die EU die Daumenschrauben weiter anziehe, womit er weitere kontraproduktive Sanktionen gegen Moskau meinte. Und auf seiner jährlichen Pressekonferenz betonte Putin, auf welche Weise Russland den gegenwärtigen Sturm überstehen werde. Was mich allerdings vor allem neugierig machte, war das, was er nicht sagte [2].

Während Mars in leidenschaftlicher Beschleunigung der Geschichte das Kommando übernahm, zog ich mich in mein Zimmer am Pantheon zurück und versuchte Senecas Lehren umzusetzen; von euthymia - innerer Klarheit und Heiterkeit - bis hin zu jenem Zustand von Gelassenheit, den die Stoiker als aponia bezeichneten. Es ist aber gar nicht so leicht euthymia zu kultivieren, wenn der Kalte Krieg, Version 2.0 tobt.

Zeig mir deine gelassene Rakete

Russland könnte jederzeit eine ökonomische Nuklearwaffe einsetzen und ein Moratorium auf seine Auslandsschulden verkünden. Wenn westliche Banken daraufhin russische Vermögenswerte beschlagnahmten, könnte Moskau sämtliche westliche Investitionen  in Russland einfrieren. Auf keinen Fall würde das Ziel von Pentagon und NATO auf keinen Fall würde das Ziel von Pentagon und NATO, Europa zum Schauplatz eines heißen Kriegs zu machen, Wirklichkeit werden, außer natürlich Washington wäre verrückt genug ihn zu beginnen.

Gleichzeitig stellt dies eine ernstzunehmende Möglichkeit dar, da das Imperium des Chaos Russland beschuldigt den INF-Vertrag über Nukleare Mittelstreckenwaffen zu verletzen, während es selbst gleichzeitig dabei ist, Europa zu zwingen im Jahr 2015 die Stationierung US-amerikanischer Cruise Missiles zu akzeptieren.

Russland könnte die westlichen Finanzmärkte ausmanövrieren indem es seine Öl- und Gaslieferungen sperrt. Die Märkte würden unvermeidlicherweise kollabieren - für das Imperium des Chaos ein unkontrolliertes Chaos (oder „kontrolliertes Chaos“, wie Putin es nennt). Man stelle sich den Verfall von Finanzderivaten im Werte von zig Billiarden Dollar vor. Es würde den „Westen“ viele Jahre kosten die russischen Öl- und Gaslieferungen zu ersetzen, aber die Wirtschaft der EU wäre sofort zugrunde gerichtet.

Allein die unter Einsatz der zerstörerischen Macht der Wall-Street-Firmen durchgeführte, einem Donnerkeil gleichende Attacke des Westens auf den Rubel - und die Ölpreise - hatte genügt, die europäischen Banken, die massiv in Russland investiert hatten, bis ins Mark zu erschüttern und das Ausmaß ihrer Kreditausfall-Tauschgeschäfte (Credit Default Swaps - CDS) massiv anschwellen zu lassen. Malen Sie sich aus, wie diese Banken in sich zusammenbrechen wie ein Kartenhaus Modell Lehman Brothers im Falle, dass Russland entschied sich für zahlungsunfähig zu erklären, und damit eine Kettenreaktion auslösen. Denken Sie an eine nicht-nukleare MAD (Mutually Assured Destruction - die Versicherung gegenseitiger Vernichtung) - ganz ohne Krieg. Dabei ist Russland Selbstversorger in Hinblick auf Energieversorgung, Bodenschätze und landwirtschaftlicher Produktion. Europa ist das nicht. Dies könnte das vernichtende Ergebnis eines Kriegs mittels Sanktionen sein.

Letztendlich blufft das Imperium des Chaos und benutzt Europa als Bauern in seinem Schachspiel. Die Schachkünste des Imperiums des Chaos entsprechen seinem geschichtlichen Verständnis. Worin es sich allerdings auszeichnet, ist den Druck auf Russland zu erhöhen, damit es klein beigibt. Aber Russland wird nicht klein beigeben.

Dunkelheit zieht auf während das Chaos anbricht

Um Bob Dylan in When I Paint My Masterpiece  sinngemäß zu zitieren, verließ ich Rom und landete in Peking. Die heutigen Marco Polos reisen mit Air China. In zehn Jahren werde sie in der entgegengesetzten Richtung unterwegs sein und den Hochgeschwindigkeitszug von Shanghai nach Berlin nehmen. [3]

Von einem Raum im imperialen Rom hin zu einem Raum in einem friedlichen hutong - die Erinnerung an das imperiale China in Form einer engen Gasse der Innenstadt Pekings. In Rom schwärmen die Barbaren innerhalb der Stadttore und plündern sanft die Reste eines reichen Erbes, hierbei ist die örtliche Mafia mit eingeschlossen. In Peking werden die Barbaren unter strikter Beobachtung gehalten, von allen Seiten einsehbar bleibt der innere soziale Frieden gesichert. Die Führung der Kommunistischen Partei Chinas KPC ist sich seit den umwälzenden Reformen des kleinen Steuermanns Deng Xiaoping perfekt bewusst, dass ihr himmlisches Mandat direkt von der Feinabstimmung von Nationalismus und dem, was wir „Neoliberalismus mit chinesischen Merkmalen“ nennen würden, abhängt.

In einer Abwandlung der „weichen Betten des Ostens“, die Marc Aurel verführten, bietet die seidige Prachtentfaltung des  mondänen Peking den flüchtigen Anblick einer enorm selbstsicheren aufsteigenden Macht. Letztendlich ist Europa nicht viel mehr als ein Katalog multipler Sklerose während Japan sich in der sechsten Rezession innerhalb von 20 Jahren  befindet.

Um das ganze abzuschließen hat der chinesische Präsident Xi Jinping eine bislang beispiellose diplomatische Geschäftigkeit entwickelt, die letztlich auf das langfristige Ziel ausgerichtet ist, die US-amerikanische Vorherrschaft in Asien zu überwinden und das globale Schachbrett neu aufzuteilen. Was Xi im Mai in Shanghai sagte, bringt das Projekt auf einen Punkt: Es ist an der Zeit, dass sich Asiaten um die Angelegenheiten Asiens kümmern.“ Beim APEC (Asian Pacific Economic Cooperation –Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft) Treffen im November setzte er nach und warb für einen „asiatisch-pazifischen Traum“.

Mittlerweile ist hektische Geschäftigkeit die Norm. Abgesehen von den beiden Monster-Gas-Abkommen über 725 Milliarden Dollar - die Power of Siberia - Pipeline und die Altai Pipeline, sowie die kürzlich in Osteuropa propagierte Offensive zu einer neuen Seidenstraße [4], erinnert sich im Westen praktisch niemand mehr daran, dass der chinesische Premierminister Li Keiquiang nicht weniger als 38 Handelsabkommen mit den Russen unterzeichnete, darunter ein Gas-Tauschgeschäft und ein Steuerabkommen, die ein vollkommenes wirtschaftliches Zusammenspiel beider Seiten anstreben.

Man kann argumentieren, dass die geopolitische Entwicklung der Zusammenarbeit Chinas und Rußlands das großartigste strategische Manöver der letzten 100 Jahre darstellt. Der Plan von Xi ist unzweideutig: eine russisch-deutsch-chinesische Handelsallianz. Die deutsche Industrie- und Geschäftswelt sehnt sich danach, obwohl die deutschen Politiker das noch nicht richtig verstanden haben. Xi und Putin sind dabei eine neue wirtschaftliche Realität auf eurasischem Boden zu erschaffen, voller grundlegender politischer wirtschaftlicher und strategischer Konsequenzen.

Natürlich wird dies ein Weg voller Hindernisse sein. Es ist bislang noch nicht zu den westlichen Medienkonzernen (Konzernmedien) durchgedrungen, aber unabhängige Akademiker in Europa (jawohl, es gibt sie, fast in der Art einer Geheimgesellschaft) sind zunehmend alarmiert, dass es kein alternatives Modell zum chaotischen und entropischen extremen neoliberalistischen Schwindel gibt, der von den gegenwärtigen Herren des Universums propagiert wird.

Selbst wenn sich die eurasische Integration auf lange Sicht durchsetzt und Wall Street so etwas wie ein lokaler Handelsplatz für Wertpapiere wird, sieht es immer noch so aus, dass  China und die sich entwickelnde Welt auf das bestehende neoliberale Modell festgelegt sind.

Und genauso wie Lao Tse mit über 80 Jahren dem jungen Konfuzius eine intellektuelle Ohrfeige gab, könnte der Westen einen deutlichen Weckruf gebrauchen. Divide et impera?  Das funktioniert nicht und hat alle Aussichten erbärmlich in die Hose zu gehen.

Wie es aussieht, ist alles was wir wissen, dass 2015 ein Jahr sein wird, das uns die Haare in tausenderlei Hinsicht zu Berge stehen lassen wird. Weil wir alle von Europa bis Asien, von den Ruinen des römischen Imperiums bis hin zum wieder erwachenden Reich der Mitte weiterhin unter dem Zeichen eines furchteinflößenden, gefährlichen und ungebremst  irrationalen Imperium des Chaos verbleiben.

Anmerkungen:

1. Siehe hier.
2. What Putin is not telling us, Russia Today, December 18, 2014.
3. Eurasian Integration vs. the Empire of Chaos, TomDispatch, December 16, 2014.
4. China set to make tracks for Europe, China Daily, December 18, 2014. China's Li cements new export corridor into Europe, Channel News Asia, December 16, 2014.

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