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Friday, 9 January 2015

Jahresausblick: 2015 wird sich alles um Iran, China und Russland drehen


von Pepe Escobar, Sputnik, 31-12-2014
Übersetzt von Hergen Matussik, herausgegeben von Dagmar Henn

Schnallen sie sich bitte an! 2015 wird ein Wirbelsturm werden, in dem China, Russland und Iran mit dem von mir so genannten Imperium des Chaos konfrontiert werden. Alles wird sich um die Integration Eurasiens drehen, während die USA zunehmend aus diesem Raum verdrängt werden. Wir werden komplexe geopolitische Prozesse erleben, die die Vorherrschaft des Dollars als Reservewährung und vor allem seine Position als Standardwährung für Ölgeschäfte untergraben werden.

Trotz all der enormen Herausforderung, denen sich die Chinesen stellen müssen, lassen sich in Peking ohne weiteres eindeutige Merkmale einer selbstsicheren und selbstbewussten, vollentwickelten wirtschaftlichen Supermacht entdecken. Präsident Xi Jinping und die gegenwärtige chinesische Führung werden weiterhin  viel Energie in die  Stadtentwicklung sowie den Kampf gegen Korruption auch in den höchsten Etagen der Kommunistischen Partei Chinas lenken. Auf der internationalen Ebene werden die Chinesen ihr Projekt neuer „Seidenstraßen“  - zur See wie auf Land -  noch schneller mit überwältigender Kraft weiter  vorantreiben, die Grundlage der langfristigen  Strategie Chinas, einen zusammenhängenden Handels- und Wirtschaftsraum in Eurasien zu schaffen.

Die globalen Ölpreise werden bis auf Weiteres niedrig bleiben. Es werden keine Wetten darüber angenommen, ob es in diesem Sommer zu einem Abkommen im Atomstreit zwischen Iran und den P5 + 1 kommt. Werden die Sanktionen gegen den Iran aufrecht erhalten (tatsächlich handelt es sich um Krieg mit wirtschaftlichen Mitteln) und die Wirtschaft des Landes  weiterhin ernsthaft beschädigen, wird die Reaktion Teherans entschlossen sein und auf die weitere Annäherung des Landes an Asien - und nicht an Europa - abzielen.

Ungeachtet der Frage, wie er zuwege gebracht wurde, steht fest, dass der gegenwärtige finanziell/strategische Verfall des Ölpreises ein direkter Angriff gegen (wen sonst?) Iran und Russland ist.
Washington weiß genau, dass ein umfassendes Abkommen mit dem Iran nicht ohne die Hilfe Russlands erreicht werden kann. Ein solches Abkommen wäre der einzige - ich wiederhole - der einzige außenpolitische Erfolg der Regierung Obama. Eine Rückkehr zur Hysterie von „Bomb Iran“ würde nur den sprichwörtlichen üblichen (neokonservativen) Verdächtigen in den Kram passen. Es ist kein Zufall, dass sowohl Iran als auch Russland Ziel westlicher Sanktionen sind. Ungeachtet der Frage, wie die gegenwärtigen Ölpreise zustande kamen, steht fest, dass der finanziell/strategische Verfall des Ölpreises ein direkter Angriff auf (wen anders als) Iran und Russland ist.
Der abgeleitete Krieg
Werfen wir einen Blick auf die wirtschaftlichen Eckdaten Russlands. Die Schulden des russischen Staates betragen nur 13,4% des Bruttosozialprodukts. Das Haushaltsdefizit beträgt 0,5 % des BSP. Wenn wir für die USA von einem BSP von 16,8 Billionen Dollar ausgehen (der Wert von 2013) beträgt das US Haushaltsdefizit 4% des BSP (im Vergleich zu 0,5% für Russland). Die Federal Reserve Bank ist im Grunde ein privates Unternehmen, dessen Eigner private Banken in den USA sind, auch wenn sich die Fed als staatliches Unternehmen ausgibt. Die gesamten Schulden der öffentlichen Hand in den USA entsprechen im Steuerjahr 2014 beeindruckenden 74% des BSP. Russlands Verschuldung liegt bei nur 13,4%
Die  wirtschaftliche Kriegserklärung durch USA und EU gegen Russland - über den Wertverlust des Rubels und den Angriff mit Öl-Derivativen - waren im wesentlichen Machenschaften mit Finanzderivativen. Solche Derivative können - theoretisch - bis ins Unendliche vervielfältigt werden. Händler dieser Papiere attackierten sowohl den Preis des Rubels als auch den Ölpreis, mit dem Ziel die russische Wirtschaft zu zerstören. Das Problem dabei ist, dass die russische Wirtschaft gesünder finanziert ist als die der USA.
Wenn man in Rechnung stellt, dass diese überraschende Operation Russland schachmatt setzen sollte, war Moskaus Verteidigungsstrategie gar nicht so schlecht. An der Hauptfront, der Energie, verbleibt das Problem auf der Seite des Westens und nicht bei Russland. Wenn die EU nicht kauft, was Gazprom anbietet, wird sie  zusammenbrechen.
Moskaus Hauptfehler war, zuzulassen, dass Russlands Industrie mit in Dollar gehandelten Krediten finanziert wurde. Wir reden über eine monströse Schuldenfalle, die vom Westen mit Leichtigkeit manipuliert werden kann. Moskaus erster Schritt sollte es sein, die russischen Banken gründlich zu überprüfen. Russlands Unternehmen sollten ihre Schulden im eigenen Land aufnehmen und ihr  Auslandsvermögen verkaufen. Moskau sollte auch über ein System von Maßnahmen zur Währungskontrolle nachdenken, damit der Basis-Zinssatz zügig gesenkt werden kann.
Man sollte nicht vergessen, dass Russland immer ein Moratorium auf Schulden und Zinsen erklären kann, was eine Summe von über 600 Milliarden Dollar zum Gegenstand hätte. Das würde das Bankensystem der ganzen Welt bis ins Mark erschüttern. Nennen wir es eine unverhohlene Aufforderung an USA/EU, den Wirtschaftskrieg einzustellen.
Russland ist nicht auf den Import irgendwelcher Rohstoffe angewiesen. Wenn nötig, kann es mit Leichtigkeit jegliche importierte Technologie selbst zuwege bringen. Und vor allem kann Russland durch den Verkauf von Rohstoffen ausreichend Kredit in US Dollar oder Euros generieren. Die Einnahmen des Landes durch den Verkauf seiner Rohstoffe oder hochentwickelter Militärtechnologie mögen zurückgehen. Dennoch werden sie den selben Ertrag in Rubel erbringen, da der Rubel gleichfalls an Wert verloren hat.
Importe durch russische Produktion zu ersetzen macht  Sinn, ganz und gar. Es wird eine unvermeidliche Phase der „Anpassung“ geben - aber die wird nicht allzu lange dauern. Deutsche Autohersteller können beispielsweise ihre Fahrzeuge aufgrund der Schwäche des Rubels in Russland nicht mehr verkaufen. Das bedeutet, dass sie ihre Produktion dorthin verlagern müssen. Wenn sie das nicht tun, wird Asien - von Südkorea bis China - sie vom Markt fegen.
Bär und Drache auf dem Beutezug
Alles in allem macht die wirtschaftliche Kriegserklärung  gegen Russland durch die EU keinen Sinn. Russland kontrolliert direkt oder indirekt den größten Teil von Öl und Gas zwischen Russland und China: ungefähr 25% der Weltförderung. Der Nahe Osten wird weiterhin ein Unruheherd sein. Afrika ist instabil. Die EU tut, was sie kann, um ihren verlässlichsten Versorger mit fossilen Brennstoffen loszuwerden und bringt Moskau dazu, die Energieströme in Richtung China und Asien umzulenken. Was für ein Geschenk an Peking, das obendrein die Bedrohung des Landes durch die US-Navy mit ihrer „Eindämmungspolitik“ auf hoher See deutlich verringert!
 Es bleibt eine unausgesprochene Wahrheit in Peking, dass   ein Imperium des Chaos, das zunehmend die Kontrolle verliert und Unwetter in den Beziehungen zwischen der EU und Russland anweist, bei den Chinesen weiter große Besorgnis auslöst. Letztlich wird Peking es nicht zulassen, in eine Lage zu geraten, in der die USA es von  Energie-Importen abschneiden könnte - wie es  Japan im Juli 1941geschah, als die USA durch Verhängung eines Öl-Embargos den Krieg erklärten und 92% der Ölimporte des Landes blockierten.
 Jeder weiß, dass das Erfordernis für ausländische Produzenten in China selbst zu produzieren, ein entscheidender Faktor für Chinas Aufstieg als Industriemacht war. Täte Russland ihm gleich, könnte die Wirtschaft des Landes umgehend  über 5% jährlich wachsen. Das Wachstum könnte sogar noch höher ausfallen, wenn Bankkredite nur für Investitionen in die Produktion vergeben würden.
 Nun stellen Sie sich vor, dass Russland und China gemeinsam in eine neue durch Gold, Öl und Rohstoffe gedeckte Währungsunion investieren, die eine echte Alternative zu dem gescheiterten Modell der Schulden-„Demokratie“ darstellt, das von den Herren des Universums von der Wall Street, dem Kartell der westlichen Banken und neoliberalen Politikern propagiert wird. Dies würde dem globalen Süden zeigen,  dass das System, Wohlstand und bessere Lebensstandards durch die Verschuldung künftiger Generationen zu finanzieren,  nie wirklich funktionieren sollte.
Bis dahin wird ein Sturm unser aller Leben bedrohen - heute und auch morgen. Die Herren des Universums und ihre Kompagnons in Washington werden ihre Strategie nicht aufgeben, Russland zum Schurkenstaat zu erklären, der von Handel, internationalem Finanzaustausch und den westlichen Kreditmärkten abgeschnitten, reif für den „Regime Change“ ist.
 Wenn alles nach Plan geht und dies vollbracht ist, wird das nächste Ziel (wer sonst?) China sein. Und Peking weiß das. In der Zwischenzeit sollten wir einige Explosionen erwarten, die die EU bis in die Grundfesten erschüttern. Die Zeit mag knapp werden - aber für die EU und nicht für Russland. Auf jeden Fall wird sich die Entwicklungsrichtung nicht ändern: Das Imperium des Chaos wird langsam aber sicher aus dem eurasischen Raum verdrängt.

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