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Sunday, 18 January 2015

Charlie Hebdo: Perspektivenwechsel

 von Hamid Beheschti, 18.1.2015
Wie sieht der Anschlag in Paris aus anderer Perspektive aus?
Außer der herrschenden Perspektive, dass Islamisten einen Anschlag auf die Pressefreiheit verübt haben, könnte anders gemeint sein.
Ich will für eine andere Perspektive ein Beispiel nennen, das von mir stammt.
Seit 48 Jahren lebe ich in Deutschland, bin inzwischen hier eingebürgert, habe meine Familie hier, bin Rentner und muslimischen Glaubens. Als Zwanzigjähriger hier eingetroffen sah ich wie Straßenarbeiter mit Presslufthammer und Straßenmaschinen kleine Reparaturarbeiten erledigten. Ich sah das Öl hier fließen, dass neokoloniale Abkommen zwischen den USA und England auf der einen Seite und dem Schah von Persien auf der anderen geliefert wurde, nachdem die CIA die demokratisch gewählte Regierung des Landes weggeputscht hatte. Mossadegh hatte das iranische Erdöl verstaatlicht. Nach dem Putsch bekam der Iran vom Erdölerlös weniger als 20%. Ich sah, wie das Erdöl hier für die Straßenreparatur benutzt wurde, während gleichzeitig im Iran die gleiche Arbeit mit Spaten und Menschenkraft durchgeführt wurde, Armut herrschte und Gefängnisse von politischen Gefangenen voll waren. Dann sah ich den Putsch in Chile und ich sah, wie hier die Menschen unbekümmert ihrem Leben nachgingen. 

Ich fragte mich, was denken die Leute hier, die die Vereinigten Staaten mit Begeisterung ansehen und dessen Land  außer mit den USA mit England und Frankreich, zwei Ländern mit alter kolonialer Vergangenheit, in einem militärischen Pakt stand? Trotzdem wollte ich sie verstehen, ging als junger Student zu den evangelischen und katholischen Studentenvereinen, konnte aber mit ihnen in kein Gespräch kommen.
Ich dachte, was sind das für Menschen, denen egal ist, dass ihr Wohlstand auf dem Elend und der Unterdrückung in anderen Ländern aufgebaut ist und voller Ignoranz in ihrem Urlaub zu den im Elend lebenden Menschen reisen und mit Missachtung auf sie schauen? Läuft in ihren Adern kein Blut? Sind sie vielleicht Aliens?
Zurück zur Perspektive der Attentäter!
Was denkt einer, der aus dem Irak stammt und weiß, dass die USA, England  und andere mit ihnen verbündete Staaten sein Land angegriffen und besiegt haben und danach ohne großes Aufsehen sich das Öl aneignen?
Was denkt ein Afghane, der von seinen Eltern gehört hat, in welch friedlichen Verhältnissen sie trotz Armut und Rückständigkeit unter Zahir Shah gelebt haben, und nachdem es ihnen unter größter Anstrengung gelungen war, die Sowjets aus dem Land zu verjagen, die von den USA und ihren saudischen und pakistanischen Lakaien herangezogenen Taliban den selben USA den Anlass gegeben haben, ihr Land anzugreifen?
Was denken denn ein Libyer und ein Äthiopier, die …?
Was denken die jungen Menschen aus der 2. Und 3. Generation der Emigranten aus diesen Ländern in Europa, die in den Moscheen ihren aus den jeweiligen Heimatländern verjagten und vertriebenen Glaubensgenossen begegnen, während sie sich selbst hier nicht angenommen fühlen?
Weshalb sind sie bereit, sich von Salafisten rekrutieren zu lassen, die hier freie Hand haben, mit saudischem Geld in Moscheen ihre menschenverachtenden Gehorsamsgedanken zu propagieren? Haben denn diese jungen Menschen keine Fähigkeit, ihre Ideen und Interessen selbst zu vertreten, dass sie immer wieder von Islamismus- und Terrorismusexperten und Journalisten umgedeutet werden müssen? Sollte man nicht mal versuchen, die Perspektive dieser Menschen zu verstehen, anstatt sie dauernd zu dämonisieren?

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