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Thursday, 5 February 2015

Der Marsch in den Wahnsinn in der Ukraine

 
Von Eric Margolis, 31.01.2015
Übersetzung von Hergen Matussik, Tlaxcala

In Bezug auf die Ukraine haben die USA gerade eine über die Maßen gefährliche und obendrein gewissenlose Entscheidung getroffen. Michael Gorbatschow, der Sowjet-Führer, der den Kalten Krieg beendete, warnte, die Entscheidung könne zu einer nuklearen Konfrontation mit Russland führen.

Geopolitische Regel Nummer eins: atomar bewaffnete Mächte dürfen nie, niemals miteinander kämpfen.
 
Dennoch hat Washington angekündigt, bis zum Frühling ein zahlenmäßig nicht spezifiziertes Kontingent „militärischer Ausbilder“ in der Ukraine stationieren, um Kievs marode Nationalgarde aufzubauen. Außerdem soll eine bedeutende Zahl von schweren amerikanischen minensicher gepanzerten Spezialfahrzeugen geschickt werden, die in Afghanistan und Iraq umfangreich zum Einsatz kamen. Die USA und Polen versorgen die Ukraine gegenwärtig verdeckt mit Waffen.

Die US-Soldaten kämen nur zum Training und die Zahl der GI‘s werde begrenzt bleiben, beschwichtigen Quellen des US Militärs. Natürlich! Genauso wie die kleine Zahl von amerikanischen Beratern und Ausbildern in Vietnam irgendwann auf 550.000 anschwoll. Genauso wie sich jetzt US Spezialkräfte in über 100 Ländern der Welt befinden. Wir nennen das „Fehlentwicklung einer Mission“.
 
Die kriegsverrückten Neokonservativen in Washington und ihre Verbündeten in Kongress und Pentagon suchen schon seit langem die Konfrontation mit Russland, um es auf seinen Platz zu verweisen weil es wagte, sich der US Politik gegenüber Iran, Syrien und Palästina zu widersetzen. Was den Neokonservativen wirklich am Herzen liegt, ist der Nahe und Mittlere Osten.

Einige Phantasien der Neokonservativen verlangen ein Aufsplittern der Russischen Föderation in kleine, machtlose Einheiten. Viele Russen glauben, daß dies tatsächlich die langfristige Strategie Washingtons ist, wobei militärischer Druck ebenso wie die Unterwanderung mit Hilfe der sozialen Medien zum Einsatz kommen, flankiert durch die Unterstützung von Oligarchen und rechtsgerichteter Kräfte in der Ukraine. Es läuft eine massive Propagandakampagne, mit der Präsident Putin zum „neuer Hitler“ abgestempelt werden soll.
Zurück in die Ost-Ukraine. Man muß kein zweiter Napoleon sein um zu verstehen, wie ein hier ein verheerender Krieg ausbrechen könnte.

Truppen der Ukrainischen Nationalgarde, unterstützt durch amerikanische „Freiwillige“ und „private Sicherheitskräfte“ unter Führung amerikanischer Spezialkräfte geraten in ein heftiges Feuergefecht mit prorussischen Separatisten. Washington, dessen Militär im Nahen und Mittleren Osten im Einsatz ist, in Mittelamerika, den Philippinen, Afrika, Afghanistan, Pakistan, Südkorea, klagt Moskau an, insgesamt 9000 Soldaten in die benachbarte Ukraine gesandt zu haben.

Die Amerikaner, die seit den Tagen des Korea Krieges in den 1950er Jahren nie mehr ohne die völlige Überlegenheit ihrer Luftstreitkräfte gekämpft haben, fordern Unterstützung aus der Luft durch US- und NATO- Streitkräfte an. Prorussische Einheiten mit Unterstützung durch russische Streitkräfte auf der anderen Seite der Grenze antworten mit heftigem Raketenfeuer und Salven von Luftabwehrgeschossen. Beide Seiten erleiden heftige Verluste und setzen Verstärkung ein.

Glaubt irgendwer, daß die Russen, die im zweiten Weltkrieg annähernd 40 Millionen Soldaten verloren haben, nicht für ihr Vaterland kämpfen werden?
 
Schwere konventionelle Gefechte können schnell dazu führen, daß Befehlshaber nach taktischen Nuklearschlägen rufen, die durch Luftstreitkräfte, Geschosse oder Raketen erfolgen können. Dies war die durchgängige Befürchtung in nahezu allen Szenarios des kalten Krieges im Falle einer Auseinandersetzung zwischen NATO und dem Warschauer Pakt - und der hervorragende Grund, daß beide Seiten eine direkte Konfrontation vermieden und sich darauf beschränkten Statthalterkriege zu führen.

Taktische Nuklearschläge können zu strategischen Nuklearschlägen führen, und danach zu Interkontinentalschlägen. In einer nuklearen Konfrontation hat, ganz wie in einer Seeschlacht, die Seite einen entscheidenden Vorteil, die das Feuer eröffnet.

„Wir können es nicht zulassen, daß Russland die Krim behält,“ lautet ein weiteres beliebtes Mantra der Neokonservativen. Warum nicht? Kaum ein Amerikaner würde die Ukraine überhaupt auf einer Landkarte finden.

Die Krim gehörte über 200 Jahre lang zu Russland. Ich habe den gesamten russischen Flottenstützpunkt in Sevastopol besucht. Die Stadt wurde Teil der Ukraine, als diese 1991 die Unabhängigkeit erlangte, aber die lebenswichtige Militärbasis war stets von russischem Militär besetzt und bewacht. Die Ukrainer waren eine Minderheit auf der Krim - die ursprünglichen tartarischen Bewohner waren überwiegend nach Stalins ethnischen Säuberungen verschwunden. Der größte Teil jener russischen Truppen, die die Krim angeblich „invadiert“ hatten, kamen von jener giganischen Militärbasis in Sevastopol, die unter gemeinsamer Souveränität Russlands und der Ukraine stand.

Nur Narren und Ignoranten können geglaubt haben, daß der starke Vlad Putin dem neuen Rechtsregime in Kiev erlauben würde, der NATO beizutreten und der westlichen Allianz eine der wichtigsten Militärbasen Russlands und großen südlichen Seehafen auszuhändigen.

Zwei der Städte auf der Krim, Sevastopol und Kerch wurden für ihren ehrenvollen Verteidigungskampf im zweiten Weltkrieg als „Heldenstädte der Sowjetunion“ geehrt. Über 170.000 Sowjetsoldaten starben 1942 bei der Verteidigung Sevastopols während einer 170 Tage langen brutalen Belagerung der Stadt. Weitere 100.000 starben während der Rückeroberung der Halbinsel im Jahr 1944.
 
Insgesamt kamen weit über 16 Millionen Sowjetsoldaten während des zweiten Weltkrieges ums Leben und vernichteten dabei 70 Prozent der deutschen Wehrmacht und 80 Prozent der Luftwaffe. Zum Vergleich: Die Verluste der USA in jenem Krieg, die Kämpfe im Pazifik eingeschlossen, beliefen sich auf 400.000.

Man kannt ebensogut von Texas verlangen Alamo oder Houston aufzugeben, wie von Russland zu erwarten, sich aus der Krim zurückzuziehen, einem gigantischen Friedhof der Roten Armee und der Deutschen 11. Armee.

Im Jahr 2013 machte Präsident Putin einen vernünftigen Vorschlag um den Konflikt in der Ukraine beizulegen: Autonomie für die Ostukraine und das Recht Russisch ebenso sprechen zu dürfen wie Ukrainisch. Wenn Krieg oder wirtschaftlicher Zusammenbruch vermieden werden sollen, ist dies die Lösung. Die östliche Ukraine war ein wesentlicher Bestandteil der sowjetischen Wirtschaft. Ihre veraltete Schwerindustrie würde ausgelöscht, träte die Ukraine der EU bei - genau wie die überholten Industriezweige in Ostdeutschland nach der deutschen Wiedervereinigung.

Jetzt sieht es also so aus, daß sich Washingtons Wirtschaftskrieg um die Ukraine in eine militärische Auseinandersetzung verwandelt, obwohl Washington weder strategische noch wirtschaftliche Interessen in der Ukraine hat. In militärische Operationen einzusteigen, während die USA weiterhin im Mittleren Osten und in Afghanistan engagiert ist, ist vollkommen beknackt. Dies gilt umso mehr, wenn Präsident Barack Obamas „Schwenk nach Asien“ an Moment gewinnt.

War der letzte Weltkrieg nicht wenigstens eine Lehre über den Wahnsinn, einen Zweifronten-Krieg zu führen?

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