Affichage des articles dont le libellé est Zionihilismus. Afficher tous les articles
Affichage des articles dont le libellé est Zionihilismus. Afficher tous les articles

18/03/2026

Jürgen Habermas: anstelle eines Nachrufs

In den ersten zwei oder drei Vierteln seines Lebens hatte er zu jenem Deutschland gehört, das wir liebten – dem Deutschland der Dichter und Denker –, nur um sein langes Dasein (96 Jahre) auf der Seite der Richter und Henker zu beenden. Jürgen Habermas verstarb am 14. März. Er hatte weder die Zeit noch die Kraft, seine Unterstützung für die Operation „Epic Fury“ / „Silent Holy City“ [sic und resic] zu erklären, die von dem bekannten Henker-Duo gegen das Land entfesselt wurde, das Ibn Sina (Avicenna), Omar Khayyam, Rumi, Al-Ghazali, Suhrawardi, Al-Razi, Al-Farabi, Mulla Sadra und … Ali Schariati hervorbrachte.

Nachdem er zur heiligen Kuh eines selbstgerechten, aber falsch handelnden Deutschlands geworden war, verfasste Habermas kurz nach dem 7. Oktober 2023 einen infamen Text der bedingungslosen Unterstützung für die zionistischen Mörder. Diese ultimative Perversion seiner eigenen „Theorie des kommunikativen Handelns“ brachte ihm eine scharfe Erwiderung eines iranischen Soziologen, eines Professors an der University of Illinois Urbana-Champaign, Asef Bayat, Autor äußerst kreativer Werke über soziale Bewegungen im Maschrek und Maghreb, ein.

Wir geben diesen Brief untenstehend anstelle eines Nachrufs wieder, so wie er zuerst in New Lines Magazine auf Englisch veröffentlicht wurde. Soweit uns bekannt ist, wurde er bis jetzt ins Deutsche nicht übersetzt. FG, Tlaxcala

Jürgen Habermas widerspricht seinen eigenen Ideen, wenn es um Gaza geht

Einer der einflussreichsten Philosophen der Welt hat sich zum Krieg in Gaza geäußert. Ein Nahost-Wissenschaftler erklärt ihm, warum er falsch liegt.

Asef Bayat8. Dezember 2023


Jürgen Habermas und Asef Bayat. Foto Louisa Gouliamaki/AFP via Getty Images

Anmerkung der Redaktion: Jürgen Habermas und Asef Bayat sind herausragende globale Denker. Ihre Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und werden an Universitäten auf der ganzen Welt gelehrt. Habermas gehört neben den verstorbenen Theodor Adorno, Max Horkheimer und Herbert Marcuse zum Pantheon der legendären Frankfurter Schule der Kritischen Theorie. Doch am bekanntesten ist er vielleicht für seine Ideen zur „Öffentlichkeit“ – einem Bereich, in dem Bürger zusammenkommen, um Angelegenheiten von allgemeinem Interesse zu debattieren und in dem sich die „öffentliche Meinung“ bildet, was er auf Kaffeehäuser und literarische Salons im Europa des 18. Jahrhunderts zurückführt – und als Verteidiger der liberalen Demokratie gegen ihre Kritiker sowohl von links als auch von rechts. Die Herausforderung, die Bayat in diesem offenen Brief formuliert, ist ihm nicht fremd; seine jahrzehntelangen, sehr öffentlichen Debatten und intellektuellen Auseinandersetzungen haben ihn in Deutschland zu einem Begriff gemacht.

Bayat ist ein Soziologe des zeitgenössischen Nahen Ostens, der vor allem für sein Konzept des „Post-Islamismus“ und für seine detailreichen Studien über Straßenpolitik, Alltagsleben und die Frage, wie einfache Menschen den Nahen Osten verändern (der Untertitel seines Buches „Life as Politics“ von 2013), bekannt ist. Habermas ist für seine jüngsten Äußerungen zum Gaza-Krieg vielfach kritisiert worden, aber was diesen offenen Brief auszeichnet, ist seine immanente Kritik: Bayat zeigt auf, wie Habermas es versäumt, seine eigenen Ideen auf den Fall Israel-Palästina anzuwenden. Es ist eine Kritik aus der Logik des Habermas'schen Denkens heraus. Das verleiht ihr eine Kraft, die bei Habermas und seinen Verteidigern nachhallen wird – oder sollte. Es ist mehr eine Einladung als eine Polemik. Es ist der Versuch, ins Gespräch zu kommen, und wir veröffentlichen es hier in der Hoffnung, dass genau das geschieht. – New Lines 

Sehr geehrter Herr Professor Habermas,

Sie werden sich vielleicht nicht an mich erinnern, aber wir trafen uns im März 1998 in Ägypten. Sie kamen als angesehener Gastprofessor an die American University in Kairo, um sich mit Fakultät, Studenten und der Öffentlichkeit auszutauschen. Alle waren begeistert, Sie zu hören. Ihre Ideen zur Öffentlichkeit, zum rationalen Dialog und zum demokratischen Leben waren wie ein Hauch frischer Luft in einer Zeit, in der Islamisten und Autokraten im Nahen Osten die freie Meinungsäußerung unter dem Deckmantel des „Schutzes des Islam“ erstickten. Ich erinnere mich an ein angenehmes Gespräch, das wir beim Abendessen im Haus eines Kollegen über Iran und die religiöse Politik führten. Ich versuchte, Ihnen die Entstehung einer „post-islamistischen“ Gesellschaft im Iran zu vermitteln, die Sie später auf Ihrer Reise nach Teheran im Jahr 2002 offenbar selbst erleben konnten, bevor Sie in Europa über eine „postsäkulare“ Gesellschaft sprachen. Wir in Kairo sahen in Ihren Kernkonzepten ein großes Potenzial zur Förderung einer transnationalen Öffentlichkeit und eines interkulturellen Dialogs. Wir haben uns den Kern Ihrer kommunikativen Philosophie, wie Konsens-Wahrheit durch freie Debatte erreicht werden kann, zu Herzen genommen.

Nun, etwa 25 Jahre später, lese ich in Berlin Ihre gemeinsam verfasste Erklärung „Grundsätze der Solidarität“ zum Gaza-Krieg mit mehr als nur einiger Besorgnis und Bestürzung. Der Geist der Erklärung ermahnt im Großen und Ganzen jene in Deutschland, die sich durch Äußerungen oder Proteste gegen die unerbittliche Bombardierung Gazas durch Israel als Reaktion auf die entsetzlichen Angriffe der Hamas vom 7. Oktober aussprechen. Sie impliziert, dass diese Kritiken an Israel unerträglich sind, weil die Unterstützung des Staates Israel ein grundlegender Bestandteil der deutschen politischen Kultur ist, „für die jüdisches Leben und Israels Existenzrecht zentrale, besonders schutzwürdige Gehalte sind“. Das Prinzip des „besonderen Schutzes“ wurzelt in der besonderen deutschen Geschichte, in den „Massenverbrechen der NS-Zeit“.

Es ist bewundernswert, dass Sie und die politisch-intellektuelle Klasse Ihres Landes darauf bedacht sind, die Erinnerung an jenes historische Grauen wachzuhalten, damit ähnliche Gräueltaten den Juden nicht widerfahren (und ich nehme an und hoffe, auch anderen Völkern). Aber Ihre Formulierung und Fixierung auf den deutschen Exzeptionalismus lässt praktisch keinen Raum für Gespräche über Israels Politik und palästinensische Rechte. Wenn Sie Kritik an „Israels Handlungen“ mit „antisemitischen Reaktionen“ vermengen, fördern Sie Schweigen und ersticken Debatten.

13/03/2026

Normalisiertes Trauma, traumatisierte Normalität: die Palästinaausstellung „Kalanlar Filistin“ in Istanbul

Am 30. März 2026 schließt die Solidaritätsausstellung „Kalanlar Filistin“ [Was von Palästina übrigbleibt] nach drei Monaten in Istanbul Harbiye ihre Tore. Milena Rampoldi von ProMosaik hat diese Ausstellung für uns besucht und berichtet von ihren Eindrücken.

 Milena Rampoldi, 14.3.2026

Auf den ersten Blick würde man diese Ausstellung des türkischen Kulturvereins Kalyon Kültür als die Erzählung der zionistischen Zerstörung des palästinensischen Lebens (Familie, Schule, Kindheit, Kultur) und somit als materielle Präsentation des zionistischen Völkermordes betrachten. Aber was hier wirklich zählt, wenn man sich mitten in der Ausstellung befindet und sie miterlebt, ist nicht die brutale Zerstörung, die man an der Oberfläche wahrnimmt, sondern das, was „übrig“ bleibt und nach der Zerstörung weiterlebt.



Es geht um all das, was der Zionismus nicht treffen kann, und zwar um die Seele, den Widerstand und die Menschlichkeit. In der Tat lautet der Titel dieser innovativen Ausstellung, die irgendwie die klassische Museumspädagogik und ihre dialektischen Paradigmen völlig auf den Kopf stellt, in deutscher Übersetzung „Überreste von Palästina“.

Was nach den Bombenanschlägen und Luftangriffen des israelischen Militärs, des Symbols und Wesens des Neukolonialismus im Nahen Osten, bleibt und noch steht, sind menschliche Würde, der Geist des Widerstands und die palästinensische Menschlichkeit eines unterdrückten Volkes, das aber keinesfalls das Opfer dieser Zerstörung ist.



Der Zuschauer tritt in einen empathischen Dialog mit der Kriegsrealität Palästinas, die in den Räumlichkeiten der Ausstellung „nachgebaut“ wird. Der Zuschauer verliert jegliche Distanz, seine Empathie ist das Ergebnis der Aufhebung jeglicher Dialektik zwischen seinem sicheren und stabilen Dasein im Harbiye-Viertel von Istanbul und dem Völkermord von Gaza. Er ist aber nicht da, um Palästina als Objekt im Sinne Edward Saids wahrzunehmen und als Gutmensch zu bemitleiden, sondern um als Zeuge für Palästina aufzutreten und die Ausstellung als Zeuge zu verlassen.

Wie die Zeugenaussage im Koran, so ist auch das Zeugnis eines geschichtlichen Ereignisses kein Recht, sondern eine Verpflichtung. Und diese Verpflichtung führt zu einer ethischen Verantwortung. Der Zuschauer interagiert mit der Zerstörung und kommt aus seiner Verantwortungsnummer nicht mehr heraus. Denn die Verpflichtung, sich für Palästina einzusetzen, ist keine Wahl eines sonnigen Tages in Harbiye, sondern die ethische Verpflichtung eines Lebens als ethisch denkender, bezeugender und handelnder Mensch. Wie es auf der Webseite der Ausstellung so schön heißt:

„Diese Ausstellung ist kein Besuch; sie ist eine Haltung.“

Was nach der zionistischen Zerstörung übrigbleibt, ist das ontologische „Überbleibsel“, der Rest, der sich der ontologischen Brutalität widersetzt.

„Zerstörung ist hier kein Augenblick, sondern eine Struktur, die Kontinuität erlangt hat; Trauma ist die neue Form des Alltags.“

Das Trauma wird in Palästina zur Normalität. Das palästinensische Leben in Gaza ist das Überbleibsel dieser traumatisierten Normalität. Das Trauma ist aber nun auch ein Alltagsaspekt des Zuschauers, der sich in einen verantwortungsbewussten Mitwisser/Zeugen fürs Leben verwandelt hat.

„Die Betrachter sind nicht zu emotionaler Erleichterung, sondern zu einer ethischen Auseinandersetzung eingeladen. Hier wird nicht Mitgefühl, sondern Zeugnis erwartet. Denn Zeugnis schafft Verantwortung.“

Es geht nicht um die Katharsis des Zuschauers, wie bei einer griechischen Tragödie, sondern um das unbequeme Wissen um den zionistischen Völkermord in Gaza.

Was zurückbleibt, sind schweigende Menschen und stille Objekte, die als Zeugen der Zerstörung unbeweglich an ihrer Stelle bleiben. Dies sieht man im Besondern in den Räumen, in denen die Küche, die Schulklasse und das palästinensische Heim nach den israelischen Bombenanschlägen gezeigt werden. Die materiellen Überbleibsel, ein Stück Mauer, ein leerer Topf, eine Schulbank, eine Tafel…, schweigen.



Die ersten Opfer sind immer die Kinder. Denn der zionistische Völkermord ist vor allem ein Kindervölkermord. Daher ist auch die Figur von Hanzala zentral in dieser Ausstellung.

Hanzala ist die berühmte Cartoonfigur des palästinensischen Zeichners Nadschi al-Ali aus dem Jahre 1969, die sehr starke autobiografische Züge aufweist. Die ermordeten Kinder von Gaza und die Kinder, die wie der Karikaturist selbst, zu überlebenden Flüchtlingen wurden, sind das Symbol des Zeugnisses, das bleibt und der brutalen Zerstörung trotzt.

„Was hier zu sehen ist, ist kein Verlust, sondern unwiederbringliche Zeit.“

„Der Stacheldraht im Zentrum der Installation verwandelt die Grenze von einer geografischen Linie in eine dauerhafte, in Körper und Erinnerung eingeprägte Erfahrung. Diese Installation ist nicht als ästhetische Komposition konzipiert; sie will den Betrachter unmittelbar die Unterbrechung zwischen Heute und Gestern und deren ethische Tragweite spüren lassen. Das Werk ruft zum Beobachten auf, nicht zum Mitleid.“

Das Trauma ist, wie bereits erwähnt, die Normalität. Der Krieg ist die Kontinuität und das Labyrinth der Ausstellung ist die konstante Realität. Der Zuschauer geht in das Labyrinth. Er bleibt dort freiwillig gefangen und erlebt die Dunkelheit der Gefangenheit akustisch als eine permanente Erfahrung. Die Kinder lehren akustisch und visuell den Krieg. Die Schreie der Kinder prägen sich im Kopf und in der Seele des Zeugenzuschauers ein. Gleichzeitig beleuchtet die Führung der Ausstellung die verschiedenen Sätze auf den grauen Wänden des Labyrinths. Gewalt und Brutalität werden zum Alltag und sind keine Ausnahmen. Aus diesem Labyrinth flieht man nicht, man bleibt, hört zu und lernt schmerzvoll den Widerstand, der dann als Echo bleibt, nachdem man die Ausstellung verlassen hat.

Wenn die Bomben schlafen, können auch wir schlafen

Gibt es im Paradies Schokolade?

Allah ist mit uns

„Was hier geschieht, ist keine Abweichung, sondern die Ordnung selbst.“

Der Zuschauer kommt aus der Nummer nicht mehr raus. Das ist kein Fluchtraum, das ist sein Zeugnis von Palästina, der zionistischen Kolonie des Nahen Ostens der Kinder wie Hanzala.



Der andere Raum, in dem die Namen der Märtyrer gelesen werden, erfüllt dieselbe Funktion. Auch hier flieht der Zeuge nicht, sondern bleibt. Die Dialektik zwischen Zeugnis und Zeuge wird aufgehoben. Wir befinden uns im post-dialektischen Raum der Antwort der Palästinenser auf den zionistischen Staat und seine überholte Dialektik.

01/03/2026

Krieg ist das Opium der israelischen Massen, von Gideon Levy

Von Fernsehbabblern, die angesichts der Möglichkeit eines Angriffs auf den Iran geifern, bis zur Jubelstimmung der Öffentlichkeit über den versprochenen „totalen Sieg“ über Israels Feinde – das Land scheint ein sehr kurzes Gedächtnis zu haben, betäubt von Krieg um Krieg.


 
Gideon LevyHaaretz, 1.3.2026
Übersetzt von Tlaxcala

Es ist wieder Kriegszeit, und der Krieg kommt wieder einmal, um Israels existenzielle Probleme ein für alle Mal zu lösen.

Es wird wieder zunächst ein atemberaubender Sieg verkündet werden, alle werden applaudieren, Yair Lapid wird schreiben, dass wir eine starke und geeinte Nation sind, und Analysten werden darum wetteifern, wer Israels tapfere Taten mehr loben kann, all dies bis zum nächsten befriedigenden Unternehmen.

Wieder sind fast alle Israelis überzeugt, dass es keinen gerechteren oder erfolgreicheren Krieg gibt als diesen, und „welche Wahl hatten wir?“ und „was schlagen Sie vor?“ wie in allen Kriegen Israels. Dieser Jubel war bereits am Freitagabend in TV-Runden zu hören, mit geifernden Diskutanten, die sehnsüchtig auf diesen Moment warteten, als würden sie auf den Messias warten. Die Erlösung kam am Samstag und dauerte nur bis zum nächsten Adrenalinstoß, der früher als erwartet kommen wird.

Wenn Israel einst ein paar Jahre Ruhe zwischen den Kriegen genoss – acht Jahre vom Krieg 1948 bis zur Sinai-Kampagne, elf zwischen dieser und dem Sechstagekrieg, sechs bis zum Jom-Kippur-Krieg, neun bis zum ersten Libanonkrieg und 24 bis zum zweiten – haben wir jetzt nur noch wenige Monate zwischen einem Krieg und dem nächsten. Einst erreichten die Versprechungen nach jedem Krieg den Himmel, den wahnsinnigen Himmel der Kriegstreiber und -unterstützer, zu denen fast alle Israelis gehören. „Keine Granate, keine Katjuscha-Rakete wird mehr auf unsere Gemeinden fallen“, versprach Menachem Begin am Ende des ersten Libanonkrieges. „Das Blut war nicht umsonst“, versprach Ehud Olmert nach dem zweiten.

23/10/2025

Israels Regierung rühmt sich des Sadismus, des Missbrauchs und der Folter

Gideon Levy, Haaretz, 23.10.2025
Übersetzt von Tlaxcala

Anm. d. Übers.: Da wir es satthaben, dass das Wort „Geiseln” zur Bezeichnung der am 7. Oktober gefangengenommenen Israelis ständig verwendet und missbraucht wird, haben wir uns entschieden, diesen Begriff durch „Entführte” zu ersetzen.

Die Rückkehr der Entführten  hat die allen bekannte Wahrheit offenbart: Israels schlechte Behandlung palästinensischer Gefangener verschlimmerte die Bedingungen der in Gaza festgehaltenen Israelis. Es ist nun klar, dass das Böse seinen Preis hatte.

Nadav Eyal berichtete am Mittwoch in Yediot Aharonot, dass der Sicherheitsdienst Schin Bet bereits Ende 2024 gewarnt habe, dass die Äußerungen des Ministers für Nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir die bereits schrecklichen Bedingungen, denen die Entführten  ausgesetzt waren, verschärften — und niemand habe sich darum gekümmert.


Palästinensische Gefangene, die auf ihre Freilassung im Gefängnis Ofer warten. Bild: Tali Meir

Jedes Mal, wenn Ben-Gvir sich mit den Misshandlungen brüstete, die er anordnete — über die sich der Journalist Yossi Eli in seinen sadistischen Reportagen auf Channel 13 über die Vorgänge in israelischen Gefängnissen ergötzte —, kam die Vergeltung aus den Tunneln.

„Wir werden kämpfen“: Kann die israelische Filmindustrie Boykotten und der Regierung Netanjahu standhalten?
Es ist unangenehm, israelisches Unrecht einzugestehen. Aber warum mussten wir zuerst von der Vergeltung der palästinensischen Entführer erfahren, um über die Bosheit der israelischen Entführer entsetzt zu sein? Was im Gefängnis Sde Teiman geschah (und weiterhin geschieht), war eine Schande, unabhängig vom furchtbaren Leiden, das es den Entführten  zufügte.


Der Eingang zur Militärbasis und Haftanstalt Sde Teiman. Bild: Eliyahu Hershkovitz

Es ist beschämend, dass der Missbrauch der Entführten  nötig war, um Empörung über Israels Behandlung seiner palästinensischen Gefangenen auszulösen, einschließlich der Schlagzeile von Yediot Aharonot am Mittwoch, die sich bisher kaum dafür interessiert hatte, was Israel tut.

Die britische Zeitung The Guardian berichtete diese Woche, dass mindestens 135 verstümmelte und zerstückelte Leichen nach Gaza zurückgebracht wurden. Neben jedem der verstümmelten Leichen fanden sich Zettel, die darauf hinwiesen, dass sie in Sde Teiman festgehalten worden waren. Auf vielen der Bilder war zu sehen, dass ihre Hände auf dem Rücken gebunden waren.

Nicht wenige wiesen Anzeichen von Folter auf, darunter Tod durch Erwürgen, von einem Panzer überfahren zu werden und andere Mittel. Es ist unklar, wie viele nach ihrer Festnahme getötet wurden. Sde Teiman war ein Sammelpunkt für Palästinenser, die an anderen Orten getötet wurden.

Der Palästinensische Gefangenenclub berichtet, dass etwa 80 palästinensische Häftlinge, die im Gefängnis getötet wurden, die Wahrheit unterschätzt haben könnten. The Guardian sah nur einige der Leichen und bestätigte die Anzeichen von Misshandlungen, sagte aber, sie könnten aufgrund ihres Zustands nicht veröffentlicht werden. Der Körper des 34-jährigen Mahmoud Shabat wies Anzeichen auf, dass er aufgehängt worden war. Seine Beine waren von einem Panzer zerdrückt worden, und seine Hände waren auf dem Rücken gefesselt. „Wo ist die Welt?“ fragte seine Mutter.

Die Lage der lebenden Palästinenser, die freigelassen wurden, ist kaum besser. Viele konnten bei ihrer Freilassung kaum stehen, ein Fakt, der in den israelischen Medien kaum behandelt wurde.

Dr. Ahmed Muhanna, Direktor des Al-Awda-Krankenhauses in Jabaliya, der im Dezember 2023 weggebracht und während des Waffenstillstands freigelassen worden war, sagte diese Woche, er sei während seiner Inhaftierung von Ort zu Ort gebracht worden, darunter an einen Ort, den er als „Zwinger“ bezeichnete, wo Soldaten ihn mit furchterregenden Hunden misshandelten.

Das abgemagerte Erscheinungsbild des Arztes ließ keinen Zweifel an den Bedingungen seiner Haft. Israel hält 19 weitere Ärzte aus Gaza unter ähnlichen Bedingungen fest.

Wir sollten uns an die Bedingungen erinnern, unter denen Adolf Eichmann festgehalten wurde. Niemand misshandelte ihn körperlich, bevor er auf richterliche Anordnung hingerichtet wurde.

Freigelassene palästinensische Gefangene tragen Gewehre, als sie nach ihrer Freilassung aus israelischen Gefängnissen in den Gazastreifen zurückkehren, nach einer Waffenstillstandsvereinbarung zwischen der Hamas und Israel, vor dem Nasser-Krankenhaus in Khan Younis im Süden des Gazastreifens im Oktober. Bild: Abdel Kareem Hana, AP

Damals prahlte Israel mit den Bedingungen seiner Haft. Heute rühmt sich die Regierung des Sadismus, des Missbrauchs und der Folter. Sie tut dies, weil sie die Seelen ihrer Bürger kennt. Die Mehrheit der Israelis ist rachsüchtig und billigt den Missbrauch.

Mit Ausnahme von Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, B’Tselem und dem Komitee gegen Folter hat sich kaum jemand gegen das, was geschah, ausgesprochen. Für Nukhba-Terroristen ist alles erlaubt.

Die Definition dessen, wer dazugehört, umfasst alle, die es wagten, am 7. Oktober nach Israel einzudringen. Der Journalist Ben Caspit sagte diese Woche, alle Nukhba-Kämpfer sollten hingerichtet werden. Es scheint, dass Schin Bet, der israelische Gefängnisdienst und die israelischen Verteidigungsstreitkräfte die Arbeit bereits ernsthaft begonnen haben.

Israels einzige Sorge gilt dem Schaden, der den Entführten  zugefügt wurde. Alles andere wird vergeben. In vielen Fällen freuen wir uns sogar, schätzen und befürworten den Missbrauch. Wir wollten Sadismus; wir bekamen Sadismus.

19/10/2025

Israels Politik der Trennung sichert den Fortbestand der Hamas, von Amira Hass

Amira Hass, Haaretz, 17.10.2025
Español Français English  עִברִית  النسخة العربية 

Übersetzt von Tlaxcala

Indem Israel Gaza von der Westbank isoliert und die Palästinenser von ihrem Land trennt, hat es zur Verfestigung der Hamas beigetragen und politische Alternativen ausradiert. Auch wenn der Traum von Luxusvillen in Gaza verschwunden ist, bleibt die zugrunde liegende Logik bestehen: Kontrolle über Territorium, indirekte Vertreibung und das fortgesetzte Erwürgen des palästinensischen Volkes unter dem Deckmantel der Sicherheit.


Ein Siedler schwingt einen Steinschleuder in Richtung Palästinenser, die im Dorf Beita in der Nähe von Nablus Oliven ernten, letzten Freitag. Der Waffenstillstand kann nicht als Niederlage für die Siedler betrachtet werden. Foto Jaafar Ashtiyeh / AFP

Die Versprechen eines Immobilienbooms in Gaza — von der Vision des Finanzministers Bezalel Smotrich, dem Versprechen des Ministers für nationale Sicherheit Itamar Ben Gvir für vornehme Viertel für Polizisten, und den Plänen der Siedlerführerin Daniella Weiss (mit göttlicher Hilfe), Siedlungen wiederherzustellen — haben sich alle als heiße Luft erwiesen.
Es ist verlockend zu sagen, dass das jetzt in Kraft tretende Waffenstillstandsabkommen im Gazastreifen der Siedlerbewegung und ihren Unterstützern in den USA einen schweren Schlag versetzt hat. Ebenso verlockend ist das Bild ihrer Sandburgen, die unter dem Gewicht der unvorstellbaren Ausdauer und Standhaftigkeit der Bewohner Gazas und unter Ägyptens harter, aber politisch kalkulierter Weigerung zusammenbrechen, eine massenhafte Flucht von Palästinensern auf ihr Territorium zuzulassen.
Die ägyptischen außenpolitischen Entscheidungsträger — ganz gleich, wer das Land regiert — haben schon lange Israels Absicht vermutet, Gaza und seine Probleme ihnen zuzuschieben. Von Beginn des Krieges an nahmen sie die israelischen Pläne zur Vertreibung der Bevölkerung Gazas und zur Umsiedlung von Juden dorthin ernst, wie sie offen von israelischen Beamten geäußert wurden, die offenbar vergessen hatten, dass ähnliche Versuche ihrer Vorgänger Mapai-Arbeitspartei, die Flüchtlinge von 1948 erneut aus Gaza zu vertreiben, gescheitert waren.


Finanzminister Bezalel Smotrich bei einer Siedlerkonferenz in Hebron im letzten Monat. Seine Versprechen zur Annexion erwiesen sich als bloße Luftnummern. Foto Itai Ron

Doch der Waffenstillstand darf nicht einfach als genüssliche Niederlage für das Siedlerlager betrachtet werden. Die politische Logik hinter jenen heißen Luftblasen und Sandburgen hat die israelische Politik seit der Unterzeichnung der Oslo-Abkommen geprägt und prägt sie weiterhin. Diese Logik ist erfolgreich gewesen darin, die Gründung eines Staates zu verhindern, der das palästinensische Recht auf Selbstbestimmung verwirklicht — selbst wenn nur auf den verbliebenen 22 % des Landes zwischen Fluss und Meer.
Israels Sabotage der palästinensischen Souveränität ist das Spiegelbild seines Drangs, möglichst viel Land mit möglichst wenigen Palästinensern zu ergreifen. In der Praxis bedeutet das Vertreibung — sei es in Gebiet A oder ins Exil; durch Bomben der Luftwaffe oder durch Knüppel und Eisenstangen der „Hügeljugend“; durch Hauszerstörungen und erzwungene Räumungen, durchgeführt mit Waffengewalt durch die Zivile Verwaltung oder die IDF, oder durch die Inhaftierung und Verfolgung derjenigen, die versuchen, ihre Gemeinschaft und sich selbst zu schützen: das Ergebnis ist dasselbe.
Wenn dies die leitende Politik ist, sind internationale Bemühungen, palästinensische Schulbücher „zu reformieren“, dem Scheitern preisgegeben. Die tägliche Realität der systematischen Erstickung, die Israel aufzwingt, und seine Überheblichkeit, unterstützt durch seine überlegene Bewaffnung, sind die Väter der Anstiftung.
Eines der wirksamsten Werkzeuge zur Sabotage der palästinensischen Staatlichkeit war und bleibt die „Trennung“. In Sicherheitsbegriffen gerahmt, die das israelische Publikum gerne übernimmt — selbst wenn die politischen und immobilienbezogenen Motive offensichtlich sind — nimmt dieses Werkzeug viele Formen an: Gaza von der Westbank abzutrennen (seit 1991); die Westbank von Ostjerusalem zu separieren; palästinensische Städte voneinander zu teilen; Dörfer von den umliegenden Straßen und regionalen Zentren abzuschneiden; Palästinenser von ihrem Land und voneinander zu entkoppeln.
Offizielle Dokumente der Militärverwaltung der 1950er und 1960er Jahre — Jahrzehnte später veröffentlicht — bestätigten, was Palästinenser (und nicht-zionistische Linke) seit langem verstanden hatten: Die sogenannte „Sicherheits“-Begründung für harte Bewegungsbeschränkungen war weitgehend durch jüdische Immobilieninteressen motiviert. Die Vision einer fragmentierten palästinensischen Bevölkerung und Territorien auf beiden Seiten der Grünen Linie spiegelte stets den Plan eines „Großisraelischen Landes“ für Juden wider. Beide Visionen wirken noch heute parallel zu den vagen Klauseln des Trump-Plans für einen Waffenstillstand und ein „neues Nahost“.
Die koloniale Rechte kompensiert ihren teilweisen Verlust in Gaza — „teilweise“, weil die IDF das gemeinsame Ziel erreicht hat, in der Enklave maximale Zerstörung und Tod zuzufügen — durch Eskalation von Angriffen und Landnahmen in der Westbank. Das äußert sich hauptsächlich in der täglichen Trennung von Bauern von ihrem Land, eine Taktik mit sofortigen und schmerzhaften Konsequenzen. Zusammen mit der Zivilverwaltung, dem Militär und der Polizei beschleunigen Siedler diesen Prozess durch physische Gewalt, bürokratische Hindernisse und unersättliche Arroganz. Da wir uns gerade in der Olivenerntesaison befinden, haben die Bataillone des Herrn ihre Aufmerksamkeit auf die Ernte und die Erntehelfer selbst gerichtet.


Auseinandersetzungen zwischen Soldaten und Palästinensern, begleitet von Aktivisten, im Dorf Beita in der Westbank am Freitag. Foto Jaafar Ashtiyeh / AFP

Am Samstag, dem 11., als dieser Artikel geschrieben wurde, gab es bis zum Mittag Berichte über Belästigungen und direkte Angriffe von Siedlern und Soldaten — getrennt oder gemeinsam — gegen Olivenernter aus den Dörfern Jawarish, Aqraba, Beita und Madama südlich von Nablus; aus Burqa östlich von Ramallah; und aus Deir Istiya in der Region Salfit. Am Tag zuvor waren ähnliche Berichte eingegangen aus Yarza, östlich von Tubas; aus Immatin, Kafr Thulth und Far’ata in der Gegend von Qalqilya; aus Jawarish, Qablan, Aqraba, Hawara, Yanun und Beita im Nablus-Gebiet; und aus al-Mughayyir und Mazra’a al-Sharqiya östlich von Ramallah. Diese Berichte stammen aus einer einzigen WhatsApp-Gruppe, die das nördliche Westjordanland überwacht.
Die Belästigungen reichen von Eindringen, Provokationen, Straßensperren und bewaffneten Drohungen bis hin zu körperlichen Angriffen, Diebstahl von Oliven und Brandstiftung an Fahrzeugen von Erntehelfern und Journalisten. Und was Siedler sporadisch tun, das setzt die offizielle Politik systematisch um: die Verweigerung des Rechts der Palästinenser auf Bewegungsfreiheit zwischen Gaza und der Westbank sowie innerhalb der Westbank selbst. Die Verweigerung des Rechts, den Wohn- oder Arbeitsort zu wählen, war schon lange verheerend für die palästinensische Gesellschaft, Wirtschaft und politische Strukturen und insbesondere für die Zukunft ihrer Jugend.
Nicht weniger als die katarischen Geldkoffer, die Benjamin Netanyahu initiierte und in den Gazastreifen transferierte, haben die Trennung der Bevölkerung des Streifens von jener der Westbank und die Isolierung Gazas vom Rest der Welt — all dies dazu beigetragen, Hamas zu stärken — zuerst als politische und militärische Organisation und später als Regierungsgewalt.
In den 1990er Jahren behauptete Hamas, dass Israel keine wahre Absicht habe, Frieden zu schließen, und dass die Oslo-Abkommen nicht zur Unabhängigkeit führen würden. Die israelischen Bewegungsbeschränkungen in Gaza und seine fortgesetzte Ausweitung der Siedlungen sowohl in Gaza als auch in der Westbank machten dieses Argument für viele Palästinenser, insbesondere in Gaza, überzeugend. Die Selbstmordattentate des Hamas wurden sowohl als Reaktion als auch als Test gesehen: würde Israels Antwort Oslo-Gegner und Kritiker der Palästinensischen Autonomiebehörde belohnen?
Und Israel belohnte sie — durch Nichterfüllung seiner Verpflichtungen. Bewegungsbeschränkungen und bürokratischer Landraub schwächten Fatah und die Palästinensische Autonomiebehörde, die den diplomatischen Prozess unterstützt hatten, aber sich Anfang der 2000er Jahre dem bewaffneten Widerstand zuwandten.


Graffiti mit der Aufschrift „Tod dem Feind, Freiheit der Heimat“ in der Siedlung Atara, nahe Ramallah, im August. Was Siedler sporadisch tun, setzt die offizielle Politik systematisch um. Foto Nasser Nasser / AP

Die Hamas, die geschickt den Umstand umging, dass palästinensische Fragmentierung immer Israels Ziel gewesen war, stellte den israelischen Rückzug 2005 und den Abriss der Siedlungen als Beweis für ihren eigenen Erfolg dar: dass der bewaffnete Kampf funktionierte. Jede neue Schulabsolventenklasse — die niemals den versiegelten Streifen verlassen hatte, kein anderes Leben kannte und keine Arbeit fand — wurde anfälliger für die unterdrückerische [sic] Weltanschauung von Hamas, ihre Propaganda und die Rechtfertigung, sich ihrem bewaffneten Flügel anzuschließen (Einkommen, das verarmte Familien unterstützte). Hamas wusste, die aufgestaute Energie und Kreativität Gazas in seine militärische und politische Maschinerie zu lenken.
Die Palästinensische Autonomiebehörde, Fatah und ihr Sicherheitsapparat sind gegenüber der wachsenden Welle der Landenteignung in der Westbank und der direkten und indirekten wirtschaftlichen Verwüstung, die in diese Enteignung und Trennung eingebettet ist, machtlos geblieben, eine Situation, verschärft durch aufeinanderfolgende Aufträge israelischer Finanzminister, palästinensische Zolleinnahmen einzubehalten.
Aus Sicht der palästinensischen Bevölkerung in der Westbank ist diese Ohnmacht untrennbar mit der Korruption der zivilen und militärischen Eliten der Autonomiebehörde verbunden, die als eigennützig und gleichgültig gelten, solange ihre eigenen Taschen gefüllt sind. Es ist daher nicht überraschend, dass der bewaffnete Widerstand — vor allem mit Hamas assoziiert — bei der Jugend der Westbank Ansehen bewahrt. Für sie verursacht bewaffneter Widerstand zumindest Leid und Demütigung dem israelischen Aggressor.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Israel weiterhin die Bewegungsfreiheit der Palästinenser zwischen der Westbank, Israel und Gaza blockieren und die Einreise von Palästinensern aus dem Ausland sowie von internationalen AktivistInnen in den Streifen einschränken wird. Infolgedessen werden diejenigen, die es am dringendsten hören müssten, nicht wissen können, was die Bewohner Gazas wirklich über bewaffneten Widerstand denken. Mit anderen Worten: wie viele von ihnen Hamas tatsächlich verachten. [und Du, Amira, weißt es ?, Anm. d. Übers.]

Soldaten bewachen den Bau einer neuen Siedlerstraße in der Westbank, westlich von Ramallah. Die sogenannte Sicherheitslogik der Bewegungsbeschränkungen war in Immobilieninteressen verwurzelt. Foto Zain Jaafar / AFP

Angesichts Israels Politik des Erstickens, Tötens, der Zerstörung und der Enteignung in der Westbank werden die meisten Palästinenser, die nicht im Streifen wohnen, zusammen mit vielen ihrer internationalen Unterstützer Hamas weiterhin als authentischen politischen Ausdruck des Strebens nach Freiheit und Widerstand gegen Unterdrückung ansehen.
Die Erfahrung zeigt, dass sobald die Räumung von Blindgängern und der Wiederaufbau Gazas beginnen, sich zeigen wird, dass der Prozess weitaus komplizierter und kostspieliger ist als zunächst erwartet. Jenseits des physischen Wiederaufbaus wird jeder der Millionen Bewohner Gazas körperliche und psychische Heilung sowie materielle Rehabilitation benötigen — in einem noch nie dagewesenen Ausmaß und über eine Dauer, die jede Vorstellungskraft übersteigt.
Der richtige, gerechte und logische Ansatz besteht darin, es Palästinensern aus der Westbank und aus Israel zu ermöglichen, vollständig an diesem Prozess teilzunehmen, in Zusammenarbeit mit den überlebenden Fachleuten im Streifen: Strukturingenieure, Architekten, Bauarbeiter, Chirurgen, Augenärzte, Bauern, IT-ExpertInnen, Lehrkräfte, PsychologInnen, Sozialarbeiterinnen und SpezialistInnen für erneuerbare Energien.
Ebenso wäre es logisch, Programme in der Westbank zu entwickeln, um sich um die Zehntausenden von Kindern aus Gaza zu kümmern, die zu Waisen geworden sind oder so schwer verletzt wurden, dass bleibende Behinderungen entstanden sind.
Kurzum: Bevor die Welt internationale Ausschreibungen für den Wiederaufbau Gazas startet, technische Spezifikationen entwirft oder hohle Erklärungen zum Staaterkennen und zum Verschwinden der Hamas abgibt, muss sie zuerst die politischen Instrumente einsetzen, die ihr zur Verfügung stehen, um sicherzustellen, dass Israel seine destruktive Politik der Trennung zwischen Gaza, der Westbank und dem restlichen Land beendet.
Wenn das nicht geschieht — selbst wenn Hamas seine Waffen innerhalb Gazas niederlegen würde, wird sie, oder eine zukünftige Version von ihr, weiterhin als politische Adresse des palästinensischen Volkes dienen.

17/10/2025

Werden Israelis eines Tages über die Gräueltaten ihres Landes in Gaza sagen: „Ich war immer dagegen“?


Menschen werden nicht grausam geboren; sie werden es. Die Grausamkeit der Palästinenser gegenüber Israelis wird weit verbreitet gezeigt, während unsere Grausamkeit – die der israelischen Gesellschaft – immer raffinierter wird, um unsere Beute zu schützen.

Amira Hass, Haaretz, 15.10.2025
Übersetzt von Tlaxcala

Palästinenser kaufen auf einem provisorischen Markt im Flüchtlingslager Nuseirat im Zentrum des Gazastreifens ein. Foto: Eyad Baba/AFP

Optimisten sagen, dass die Israelis schließlich das Ausmaß der Gräueltat begreifen werden, die sie im Gazastreifen begangen haben. Die Wahrheit wird in ihr Bewusstsein einsickern.
Eines Tages werden alte Videos von Säuglingen, die durch unsere Bomben in Stücke gerissen wurden, die Herzen der Israelis erreichen und durchbohren. Sie werden plötzlich Kinder sehen, bedeckt vom Staub des zertrümmerten Betons, unter dem sie gerettet wurden, unkontrolliert zitternd und mit leerem Blick voller Fragezeichen.

Irgendwann, sagen die Optimisten, werden die Israelis aufhören zu sagen: „Sie haben es verdient, wegen des 7. Oktober. Sie haben angegriffen.“ Die Zahlen werden aufhören, bloße Abstraktionen zu sein, und niemand wird mehr sagen: „Wer glaubt schon der Hamas?“ Die Leser werden begreifen, dass mehr als 20.000 Kinder – ein Drittel aller Toten – durch unsere Hände getötet wurden. Mehr als 44.000 Kinder wurden verletzt – ein Viertel aller Verwundeten. Sie werden erkennen, dass sie einen Vernichtungskrieg gegen ein Volk unterstützt haben und keine bewaffnete Organisation besiegt.

Sie werden erkennen, dass die individuelle Grausamkeit der Rache, die so viele Soldaten zeigten – oft begleitet von Lachen und Lächeln auf TikTok – und die kalte, chirurgische und anonyme Tötung aus Cockpits und Kontrollräumen – kein Zeichen von Heldentum ist, sondern eine schwere Krankheit. Gesellschaftlich und persönlich.

Eltern, so glauben die Optimisten, werden nachts nicht schlafen können, aus Angst, dass die Kreuze auf den Gewehren ihrer Söhne Frauen, alte Menschen oder Jugendliche markieren, die Kräuter zum Essen sammelten. Der Tag wird kommen, an dem Jugendliche ihre Väter, die damals Soldaten waren, fragen werden, ob sie ebenfalls einem Befehl gehorchten, auf einen alten Mann zu schießen, der eine unbekannte rote Linie überschritten hatte.

Die Töchter dekorierter Piloten werden fragen, ob sie eine „verhältnismäßige“ Bombe abgeworfen haben, die hundert Zivilisten für einen mittleren Hamas-Kommandanten tötete. „Warum hast du dich nicht geweigert?“, wird die Tochter schluchzen.

DemonstrantInnen mit Fotos von palästinensischen Kindern, die Anfang dieses Jahres in Gaza von Israel getötet wurden, in der Nähe des Luftwaffenstützpunkts Tel Nof.


Die Enkel eines pensionierten Gefängniswärters werden fragen: „Hast du persönlich einen gefesselten Häftling geschlagen, bis er ohnmächtig wurde? Hast du dem Befehl des Ministers gehorcht, den Gefangenen Nahrung und Duschen zu verweigern? Hast du 30 Häftlinge in eine Zelle für sechs gesteckt? Woher kamen die Hautkrankheiten? Kanntest du einen der Dutzenden Häftlinge, die in israelischen Gefängnissen an Hunger, Schlägen oder Folter starben? Wie konntest du nur, Opa?“ Die Neffen von Obersten Richtern werden deren Urteile lesen, die all das erlaubten, und aufhören, sie am Schabbat zu besuchen.

Irgendwann, glauben die Optimisten, wird die israelische Medienvernebelung der Realität aufhören, Gehirne zu waschen und Herzen zu betäuben. Der Ausdruck „der Kontext“ wird kein Schimpfwort mehr sein, und die Öffentlichkeit wird die Punkte verbinden: Unterdrückung. Vertreibung. Demütigung. Deportation. Besatzung. Und all das Leid dazwischen. Es sind keine Parolen selbsthassender Juden, sondern Beschreibungen des Lebens eines ganzen Volkes – jahrelang, unter unseren Befehlen und unseren Waffen.

Menschen werden nicht grausam geboren; sie werden es. Die Grausamkeit der Palästinenser gegenüber Israelis wird ausführlich gezeigt, als Reaktion und Widerstand gegen unsere fremde und feindliche Herrschaft. Unsere Grausamkeit, die der israelischen Gesellschaft, wird immer ausgefeilter – mit dem Ziel, unsere Beute zu schützen: das Land, das Wasser und die Freiheiten, von denen wir die Palästinenser vertrieben haben.

Die Optimisten glauben, dass es einen Weg zurück gibt. Wie glücklich sie sind, diese Optimisten.

30/09/2025

BAHMAN KALBASI
In seinen Erklärungen vertritt das US-Außenministerium die Einstellungen Israels
Interview mit Shahid Qureshi, der wegen Nichterfüllung entlassen wurde

Bahman Kalbasi, BBC Persian, 17.9.2025

Bahman Kalbasi ist Korrespondent der BBC Persian bei den Vereinten Nationen in New York.

Übersetzt von Tlaxcala

 

Shahid Qureshi arbeitete im Büro für globale öffentliche Angelegenheiten des US-Außenministeriums (State Department) und wurde kürzlich von seinem Posten entlassen. In einem Sonderinterview mit Bahman Kalbasi erklärt Herr Qureshi: Die Beileidsbekundungen gegenüber den Familien der palästinensischen Journalisten, die von der israelischen Armee in Gaza getötet wurden, und die Betonung der Ablehnung der ethnischen Säuberungen in Gaza durch die USA seien Positionen gewesen, die er gemäß dem üblichen Verfahren in die Erklärungen des Außenministeriums aufnehmen wollte, und deshalb sei er entlassen worden. In seinem ersten Interview mit einem persischsprachigen Medienunternehmen nach seiner Entlassung aus dem US-Außenministerium spricht Herr Qureshi über die Geschehnisse und seine Erfahrungen unter verschiedenen US-Verwaltungen.

Bahman Kalbasi: In den Monaten nach Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat der Druck auf eine Reihe von Aktivisten und Studenten, die sich gegen Israels Krieg in Gaza aussprechen, zugenommen; von den Bemühungen der Regierung, einige, die keine US-Bürger waren, auszuweisen, bis hin zur Entlassung anderer aus ihren Jobs. Shahid Qureshi arbeitete in der PR-Abteilung des US-Außenministeriums und wurde kürzlich aus seinem Job entlassen. Er hatte versucht, gemäß dem üblichen Verfahren Beileidsbekundungen für die Familien palästinensischer Journalisten, die vom israelischen Militär getötet wurden, und die Ablehnung der ethnischen Säuberung in Gaza in die Erklärungen des Außenministeriums aufzunehmen. Er sagt, genau deshalb sei er entlassen worden. Dies ist sein erstes Interview mit einem persischsprachigen Medienunternehmen seit seiner Entlassung aus dem US-Außenministerium, in dem er über seine Erfahrungen in der vorherigen und der aktuellen Verwaltung sowie über die Geschehnisse spricht.

Ich bin Bamdad Kelbasi und spreche in einem „Special Dialogue“ mit diesem ehemaligen Mitarbeiter des Außenministeriums.

Shahid Qureshi, vielen Dank für die Gelegenheit, die Sie BBC Persian bieten. Bevor wir zum Kern der Sache kommen, könnten Sie ein wenig über sich selbst sprechen? Wo sind Sie geboren? Wo sind Sie aufgewachsen?

Shahid Qureshi:  Ja, ich wurde 1991 in Seattle geboren. Ich studierte Internationale Beziehungen an der University of Washington. Meine Eltern stammen aus der Stadt Saveh im Iran und kamen um die Zeit der Revolution nach Amerika. Nach meinem Bachelor-Abschluss ging ich nach Washington D.C. und machte meinen Master im selben Fach, Internationale Beziehungen.

Bahman Kalbasi: Wie sind Sie zum US-Außenministerium gekommen?

Shahid Qureshi:  Schon in jungen Jahren, und nach dem Einmarsch der USA in den Irak, wurde ich sensibel für die endlosen Kriege, in die die USA verwickelt waren. Ich hatte das Gefühl, dass das Bild des Irak, das sich in der amerikanischen öffentlichen Meinung vor der Invasion gebildet hatte, dazu beitrug, diese Operation zu rechtfertigen. Wenn wir zum Familienbesuch in den Iran reisten und nach Amerika zurückkehrten, beunruhigte mich die ähnliche negative Darstellung, die über den Iran geformt wurde, und dass sich das, was im Irak passiert war, auch für den Iran wiederholen könnte. Deshalb engagierte ich mich sehr in zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich für ein Ende der Kriege im Irak und in Afghanistan und die Verhinderung einer Wiederholung im Iran einsetzten. Gleichzeitig reizte mich die Arbeit im Außenministerium als Diplomat, sowohl um die Kräfte zu verstehen, die ein Land in den Krieg treiben, als auch um diplomatische Wege zur Beilegung von Streitigkeiten anstelle von Krieg zu finden. Ich bin sehr froh, dass ich eine Weile dort arbeiten konnte.

Bahman Kalbasi: Als Sie zum US-Außenministerium kamen, was genau waren Ihre Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit? Was waren Ihre Pflichten?

21/02/2025

HAGAI AMIT
„idf.farsi“, die Einheit der israelischen Armee, die beauftragt wurde, Iraner über soziale Medien anzusprechen
Begegnung der x-ten Art


Der Krieg hat Hunderttausende von Follower für die persischsprachige Soziale-Medien-Botschaft der IDF [engl. Akronym für Zahal, „Israels Verteidigungsstreitkräfte] gebracht. Wenn es eine Sache gibt, von der die Mitarbeiter der Einheit überzeugt sind, dann ist es, dass „nur das iranische Volk das Regime stürzen wird“.


Shamsian, „R“ und Pinhasi, fotografiert im Hauptquartier des IDF-Sprechers in Ramat Aviv. Foto:  Eyal Toueg, Borna_Mirahmadian/Shutterstock

Hagai Amit, Haaretz, 20.2.2025
Übersetzt von Mikaela Honung, Tlaxcala

„Eure Gefangenen sind immer noch in unseren Händen, der Jemen ist die Schande eures Lebens, das Brüllen des Iran wird euch vernichten, die israelischen Behörden haben euch betrogen. Bewohner des Spinnenhauses - geht, und je eher, desto besser.“

Diesen Text zeigte ich den Mitarbeitern der persischsprachigen Abteilung des Sprecherbüros der israelischen Verteidigungsstreitkräfte zu Beginn meines Treffens mit ihnen Anfang des Monats. Die Nachricht war am Abend zuvor von einer nicht identifizierten Adresse eingegangen. „Es handelt sich offenbar um eine iranische Quelle, um Hacker im Auftrag der Revolutionsgarden“, lautete das Urteil über denjenigen, der es auf meine Telefonnummer abgesehen hatte und versuchte, mich zu beeinflussen.

Meine Gesprächspartner wurden jedoch empört, als ich sie fragte, ob iranische Bürger, die ihre Nachrichten verfolgen, nicht dasselbe empfinden wie ich, wenn ich eine solche SMS erhalte - Angst und Feindseligkeit. Aus der Sicht von Master Sgt. Kamal Pinhasi, der die Einheit leitet und Sprecher der IDF für die persischen Medien ist, Master Sgt. Shirly Shamsian, die diese Sprache in Online-Chats mit iranischen Bürgern spricht, und Sgt. 1st Class R., der für die Überwachung der Medien und Übersetzungen zuständig ist (und es vorzieht, nicht namentlich genannt zu werden) - sehnt sich das iranische Volk nach den Nachrichten der IDF.

„Die beste Umfrage, die zeigt, dass die Mehrheit der iranischen Bevölkerung das Regime ablehnt, war die jüngste [Präsidentschafts-]Wahl im Sommer 2024“, bemerkt Pinhasi. „Trotz des Drucks, den die Revolutionsgarden auf die Anhänger des Regimes ausübten, um sie zur Stimmabgabe zu bewegen, wurde die Wahl erst in einer zweiten Runde entschieden, und selbst dann gingen nur 39 Prozent der Wahlberechtigten zu den Urnen, und der gewählte Kandidat, Masud Pezeschkian, gewann nur knapp - und man weiß nicht, wie sie die Stimmzettel ausgezählt haben“.

Haut du formulaire

Bas du formulaire

„Ich kenne den Iran seit 36 Jahren [beruflich]“, fährt er fort, „und die dortige Regierung wird von nicht mehr als 20 Prozent der Bevölkerung unterstützt“.

„Die Situation dort ist einfach schlecht“, fügt Shamsian hinzu. „Es gibt häufig Stromausfälle, und das Gleiche gilt für Wasser und Gas für den Hausgebrauch.“

Pinhasi: „Die Menschen im Iran warten seit 46 Jahren auf wirtschaftliches Wachstum, aber das ist nicht eingetreten. In dieser Zeit waren sie von der Welt abgeschnitten, und die Folge dieser Trennung ist, dass ein großer Teil [der Bevölkerung] auch vom Westen enttäuscht ist. Wenn sie also zur Wahl gehen, sagen sie sich: ‚Wenn die Wahl zwischen dem Schrecklichen und dem Bösen besteht, wählen wir das Böse.‘“

Pinhasi, Shamsian und R. wurden alle im Iran geboren. Pinhasi kam 1978 im Alter von 15 Jahren nach Israel, kurz vor der Revolution von Ayatollah Khomeini; Shamsian kam 1988 während des iranisch-irakischen Krieges nach Israel, als sie 12 Jahre alt war; und R. ist seit seinem elften Lebensjahr, also seit 1989, hier. Seit Beginn des Krieges im Gazastreifen leiten sie die Gruppe, die vor fünf Jahren mit dem Ziel gegründet wurde, die iranische Öffentlichkeit über die sozialen Medien zu erreichen und sie über die Realität der Situation, wie sie Israel sieht, zu informieren.

Sie arbeiten über X, Instagram und TikTok. „Wir sind weniger auf TikTok und viel mehr auf Instagram aktiv“, sagt Shamsian. Einmal pro Woche gehen sie auch live und führen ein offenes Gespräch mit iranischen Followern auf einer der Plattformen.

Das Instagram-Konto der Einheit hat 220.000 Follower, das TikTok-Konto etwa 93.000. Sie weisen darauf hin, dass der Staat alle ausländischen sozialen Medien blockiert, so dass die iranischen Follower die staatlichen Blockaden mit Hilfe von VPN oder einer anderen Technologie umgehen müssen, was die Surfgeschwindigkeit verringert.

„Wenn jemand, der das Regime unterstützt, auftaucht, geschieht dies über eine Plattform, die vom Regime blockiert werden soll. Das ist ein Ansatzpunkt, der von vornherein alles untergräbt, was sie uns erzählen“, erklärt Pinhasi.

Was ist das Ziel Ihrer Tätigkeit? Eine Revolution im Iran zu fördern?

R.: „Israels Wahrheit zu vermitteln.“

Shamsian: „Wir wollen keine Revolution im Iran machen. Das muss von innen kommen, von den Bürgern. Das ist nicht unsere Aufgabe.“

Pinhasi: „Die operativen Botschaften der Armee zu übermitteln. Nach anderthalb Jahren Krieg haben die Iraner ein Recht darauf, echte Nachrichten über die Situation zu erhalten und nicht die Lügen, die ihnen [ihre] Regierung in den letzten 46 Jahren aufgetischt hat. Der Iran ist tief in den Krieg verwickelt, und die Bevölkerung dort interessiert sich dafür, denn schließlich geht es um ihr Geld. Wir sind hier, um den einfachen Iranern klarzumachen, dass das Geld, das aus ihren Taschen kommt, zur Finanzierung des Terrorismus, für irakische Stellvertreter-Milizen oder für die Houthis verwendet wird, die mit der Unterstützung Kriegsmaterial erwerben. Wir geben die Wahrheit wieder, und die Menschen können sie mit den Lügen und der Gehirnwäsche des Regimes vergleichen.“

Pinhasi: „Unsere Live-Übertragung auf Instagram hat 13.000 Follower. Unser größter Erfolg ist, dass unser Output die iranischen Medien im Iran erreicht. Außerdem sehen wir an den Reaktionen der Anhänger des Regimes, dass unsere Aktivitäten sie verletzen - das ist unser Erfolg.“

Shamsian: „Es gibt regimetreue Telegram-Kanäle, die mindestens einmal im Monat unsere Beiträge hochladen und uns als Mörder brandmarken. Das zeugt von unserem Erfolg, neben dem Dank und den positiven Reaktionen.“

Die drei haben sich neben ihrer israelischen auch ihre iranische Identität bewahrt. „Der Iran ist ein erstaunliches Land mit einer vielfältigen Geschichte und Kultur, ein Land, auf das man stolz sein kann“, sagt Shamsian.

Für Pinhasi ist es „selbstverständlich, dass wir Israel und den Iran lieben. Ich bin von beiden Ländern begeistert und würde gerne in beiden Ländern leben. Heute sind wir in Israel investiert, unsere Zukunft liegt hier, aber wir träumen immer noch davon, zu einem Besuch in den Iran zurückzukehren, wo ich die Orte meiner Kindheit sehen könnte. Die Wurzeln der Verbindung zwischen den beiden Völkern - dem jüdischen und dem iranischen - reichen bis in die Zeit vor Kyros dem Großen [6. Jahrhundert v. Chr.] zurück. Die Katastrophen, die das gegenwärtige Regime über beide Völker gebracht hat, sind nichts im Vergleich zu dieser Verbindung über die Generationen hinweg.“

Im Iran gibt es noch eine jüdische Gemeinde, deren Mitglieder sogar Israel besuchen.

Haut du formulaire

Bas du formulaire

Shamsian: „Im Laufe der Jahre ist es Juden aus dem Iran gelungen, als Touristen hierher zu kommen. Heutzutage trauen sie sich immer weniger. Das Regime hat im Laufe der Jahre versucht, zwischen Judentum und Zionismus zu unterscheiden, aber in den letzten Jahren haben sie die beiden in Versprechern als identisch bezeichnet.“