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29/05/2026
Lavinia Marchetti: Perché la Palestina è la lotta di tutti?|Why is Palestine Everyone's Struggle?|Warum ist Palästina der Kampf aller Menschen?|¿Por qué Palestina es la lucha de tod@s?|Pourquoi la Palestine est-elle le combat de tout le monde ?
18/03/2026
Jürgen Habermas: anstelle eines Nachrufs
In den ersten zwei oder drei Vierteln seines Lebens hatte er zu jenem Deutschland gehört, das wir liebten – dem Deutschland der Dichter und Denker –, nur um sein langes Dasein (96 Jahre) auf der Seite der Richter und Henker zu beenden. Jürgen Habermas verstarb am 14. März. Er hatte weder die Zeit noch die Kraft, seine Unterstützung für die Operation „Epic Fury“ / „Silent Holy City“ [sic und resic] zu erklären, die von dem bekannten Henker-Duo gegen das Land entfesselt wurde, das Ibn Sina (Avicenna), Omar Khayyam, Rumi, Al-Ghazali, Suhrawardi, Al-Razi, Al-Farabi, Mulla Sadra und … Ali Schariati hervorbrachte.
Nachdem er zur heiligen Kuh eines selbstgerechten, aber falsch handelnden Deutschlands geworden war, verfasste Habermas kurz nach dem 7. Oktober 2023 einen infamen Text der bedingungslosen Unterstützung für die zionistischen Mörder. Diese ultimative Perversion seiner eigenen „Theorie des kommunikativen Handelns“ brachte ihm eine scharfe Erwiderung eines iranischen Soziologen, eines Professors an der University of Illinois Urbana-Champaign, Asef Bayat, Autor äußerst kreativer Werke über soziale Bewegungen im Maschrek und Maghreb, ein.
Wir geben diesen Brief untenstehend anstelle eines Nachrufs wieder, so wie er zuerst in New Lines Magazine auf Englisch veröffentlicht wurde. Soweit uns bekannt ist, wurde er bis jetzt ins Deutsche nicht übersetzt. FG, Tlaxcala
Jürgen Habermas widerspricht seinen eigenen Ideen, wenn es um Gaza geht
Einer der
einflussreichsten Philosophen der Welt hat sich zum Krieg in Gaza geäußert. Ein
Nahost-Wissenschaftler erklärt ihm, warum er falsch liegt.
Asef Bayat, 8. Dezember 2023
Anmerkung der Redaktion: Jürgen Habermas und Asef Bayat sind herausragende globale Denker. Ihre Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und werden an Universitäten auf der ganzen Welt gelehrt. Habermas gehört neben den verstorbenen Theodor Adorno, Max Horkheimer und Herbert Marcuse zum Pantheon der legendären Frankfurter Schule der Kritischen Theorie. Doch am bekanntesten ist er vielleicht für seine Ideen zur „Öffentlichkeit“ – einem Bereich, in dem Bürger zusammenkommen, um Angelegenheiten von allgemeinem Interesse zu debattieren und in dem sich die „öffentliche Meinung“ bildet, was er auf Kaffeehäuser und literarische Salons im Europa des 18. Jahrhunderts zurückführt – und als Verteidiger der liberalen Demokratie gegen ihre Kritiker sowohl von links als auch von rechts. Die Herausforderung, die Bayat in diesem offenen Brief formuliert, ist ihm nicht fremd; seine jahrzehntelangen, sehr öffentlichen Debatten und intellektuellen Auseinandersetzungen haben ihn in Deutschland zu einem Begriff gemacht.
Bayat ist ein Soziologe des zeitgenössischen Nahen Ostens, der vor allem für sein Konzept des „Post-Islamismus“ und für seine detailreichen Studien über Straßenpolitik, Alltagsleben und die Frage, wie einfache Menschen den Nahen Osten verändern (der Untertitel seines Buches „Life as Politics“ von 2013), bekannt ist. Habermas ist für seine jüngsten Äußerungen zum Gaza-Krieg vielfach kritisiert worden, aber was diesen offenen Brief auszeichnet, ist seine immanente Kritik: Bayat zeigt auf, wie Habermas es versäumt, seine eigenen Ideen auf den Fall Israel-Palästina anzuwenden. Es ist eine Kritik aus der Logik des Habermas'schen Denkens heraus. Das verleiht ihr eine Kraft, die bei Habermas und seinen Verteidigern nachhallen wird – oder sollte. Es ist mehr eine Einladung als eine Polemik. Es ist der Versuch, ins Gespräch zu kommen, und wir veröffentlichen es hier in der Hoffnung, dass genau das geschieht. – New Lines
Sehr geehrter Herr Professor
Habermas,
Sie werden sich vielleicht
nicht an mich erinnern, aber wir trafen uns im März 1998 in Ägypten. Sie kamen
als angesehener Gastprofessor an die American University in Kairo, um sich mit
Fakultät, Studenten und der Öffentlichkeit auszutauschen. Alle waren begeistert,
Sie zu hören. Ihre Ideen zur Öffentlichkeit, zum rationalen Dialog und zum
demokratischen Leben waren wie ein Hauch frischer Luft in einer Zeit, in der
Islamisten und Autokraten im Nahen Osten die freie Meinungsäußerung unter dem
Deckmantel des „Schutzes des Islam“ erstickten. Ich erinnere mich an ein
angenehmes Gespräch, das wir beim Abendessen im Haus eines Kollegen über Iran
und die religiöse Politik führten. Ich versuchte, Ihnen die Entstehung einer
„post-islamistischen“ Gesellschaft im Iran zu vermitteln, die Sie später auf
Ihrer Reise nach Teheran im Jahr 2002 offenbar selbst erleben konnten, bevor
Sie in Europa über eine „postsäkulare“ Gesellschaft sprachen. Wir in Kairo
sahen in Ihren Kernkonzepten ein großes Potenzial zur Förderung einer transnationalen
Öffentlichkeit und eines interkulturellen Dialogs. Wir haben uns den Kern Ihrer
kommunikativen Philosophie, wie Konsens-Wahrheit durch freie Debatte erreicht
werden kann, zu Herzen genommen.
Nun, etwa 25 Jahre später,
lese ich in Berlin Ihre gemeinsam verfasste Erklärung „Grundsätze der
Solidarität“ zum Gaza-Krieg mit mehr als nur einiger Besorgnis und Bestürzung.
Der Geist der Erklärung ermahnt im Großen und Ganzen jene in Deutschland, die sich
durch Äußerungen oder Proteste gegen die unerbittliche Bombardierung Gazas
durch Israel als Reaktion auf die entsetzlichen Angriffe der Hamas vom 7.
Oktober aussprechen. Sie impliziert, dass diese Kritiken an Israel unerträglich
sind, weil die Unterstützung des Staates Israel ein grundlegender Bestandteil
der deutschen politischen Kultur ist, „für die jüdisches Leben und Israels
Existenzrecht zentrale, besonders schutzwürdige Gehalte sind“. Das Prinzip des
„besonderen Schutzes“ wurzelt in der besonderen deutschen Geschichte, in den
„Massenverbrechen der NS-Zeit“.
Es ist bewundernswert, dass
Sie und die politisch-intellektuelle Klasse Ihres Landes darauf bedacht sind,
die Erinnerung an jenes historische Grauen wachzuhalten, damit ähnliche
Gräueltaten den Juden nicht widerfahren (und ich nehme an und hoffe, auch anderen
Völkern). Aber Ihre Formulierung und Fixierung auf den deutschen Exzeptionalismus
lässt praktisch keinen Raum für Gespräche über Israels Politik und
palästinensische Rechte. Wenn Sie Kritik an „Israels Handlungen“ mit
„antisemitischen Reaktionen“ vermengen, fördern Sie Schweigen und ersticken
Debatten.
13/03/2026
Normalisiertes Trauma, traumatisierte Normalität: die Palästinaausstellung „Kalanlar Filistin“ in Istanbul
Am 30. März 2026 schließt die Solidaritätsausstellung „Kalanlar Filistin“ [Was von Palästina übrigbleibt] nach drei Monaten in Istanbul Harbiye ihre Tore. Milena Rampoldi von ProMosaik hat diese Ausstellung für uns besucht und berichtet von ihren Eindrücken.
Milena Rampoldi, 14.3.2026
Auf den ersten
Blick würde man diese Ausstellung des türkischen Kulturvereins Kalyon Kültür als die Erzählung
der zionistischen Zerstörung des palästinensischen Lebens (Familie, Schule,
Kindheit, Kultur) und somit als materielle Präsentation des zionistischen
Völkermordes betrachten. Aber was hier wirklich zählt, wenn man sich mitten in
der Ausstellung befindet und sie miterlebt, ist nicht die brutale Zerstörung, die
man an der Oberfläche wahrnimmt, sondern das, was „übrig“ bleibt und nach der
Zerstörung weiterlebt.
Es geht um all
das, was der Zionismus nicht treffen kann, und zwar um die Seele, den
Widerstand und die Menschlichkeit. In der Tat lautet der Titel dieser
innovativen Ausstellung, die irgendwie die klassische Museumspädagogik und ihre
dialektischen Paradigmen völlig auf den Kopf stellt, in deutscher Übersetzung „Überreste
von Palästina“.
Was nach den Bombenanschlägen und Luftangriffen des israelischen Militärs, des Symbols und Wesens des Neukolonialismus im Nahen Osten, bleibt und noch steht, sind menschliche Würde, der Geist des Widerstands und die palästinensische Menschlichkeit eines unterdrückten Volkes, das aber keinesfalls das Opfer dieser Zerstörung ist.
Der Zuschauer
tritt in einen empathischen Dialog mit der Kriegsrealität Palästinas, die in
den Räumlichkeiten der Ausstellung „nachgebaut“ wird. Der Zuschauer verliert
jegliche Distanz, seine Empathie ist das Ergebnis der Aufhebung jeglicher
Dialektik zwischen seinem sicheren und stabilen Dasein im Harbiye-Viertel von
Istanbul und dem Völkermord von Gaza. Er ist aber nicht da, um Palästina als
Objekt im Sinne Edward Saids wahrzunehmen und als Gutmensch zu bemitleiden,
sondern um als Zeuge für Palästina aufzutreten und die Ausstellung als Zeuge zu
verlassen.
Wie die
Zeugenaussage im Koran, so ist auch das Zeugnis eines geschichtlichen
Ereignisses kein Recht, sondern eine Verpflichtung. Und diese Verpflichtung
führt zu einer ethischen Verantwortung. Der Zuschauer interagiert mit der
Zerstörung und kommt aus seiner Verantwortungsnummer nicht mehr heraus. Denn
die Verpflichtung, sich für Palästina einzusetzen, ist keine Wahl eines sonnigen
Tages in Harbiye, sondern die ethische Verpflichtung eines Lebens als ethisch
denkender, bezeugender und handelnder Mensch. Wie es auf der Webseite der
Ausstellung so schön heißt:
„Diese
Ausstellung ist kein Besuch; sie ist eine Haltung.“
Was nach der zionistischen
Zerstörung übrigbleibt, ist das ontologische „Überbleibsel“, der Rest, der sich
der ontologischen Brutalität widersetzt.
„Zerstörung ist
hier kein Augenblick, sondern eine Struktur, die Kontinuität erlangt hat;
Trauma ist die neue Form des Alltags.“
Das Trauma wird
in Palästina zur Normalität. Das palästinensische Leben in Gaza ist das
Überbleibsel dieser traumatisierten Normalität. Das Trauma ist aber nun auch
ein Alltagsaspekt des Zuschauers, der sich in einen verantwortungsbewussten
Mitwisser/Zeugen fürs Leben verwandelt hat.
„Die Betrachter
sind nicht zu emotionaler Erleichterung, sondern zu einer ethischen
Auseinandersetzung eingeladen. Hier wird nicht Mitgefühl, sondern Zeugnis
erwartet. Denn Zeugnis schafft Verantwortung.“
Es geht nicht um
die Katharsis des Zuschauers, wie bei einer griechischen Tragödie, sondern um
das unbequeme Wissen um den zionistischen Völkermord in Gaza.
Was zurückbleibt,
sind schweigende Menschen und stille Objekte, die als Zeugen der Zerstörung
unbeweglich an ihrer Stelle bleiben. Dies sieht man im Besondern in den Räumen,
in denen die Küche, die Schulklasse und das palästinensische Heim nach den
israelischen Bombenanschlägen gezeigt werden. Die materiellen Überbleibsel, ein
Stück Mauer, ein leerer Topf, eine Schulbank, eine Tafel…, schweigen.
Die ersten Opfer
sind immer die Kinder. Denn der zionistische Völkermord ist vor allem ein
Kindervölkermord. Daher ist auch die Figur von Hanzala zentral in dieser
Ausstellung.
Hanzala ist die
berühmte Cartoonfigur des palästinensischen Zeichners Nadschi al-Ali aus dem
Jahre 1969, die sehr starke autobiografische Züge aufweist. Die ermordeten
Kinder von Gaza und die Kinder, die wie der Karikaturist selbst, zu
überlebenden Flüchtlingen wurden, sind das Symbol des Zeugnisses, das bleibt
und der brutalen Zerstörung trotzt.
„Was hier zu
sehen ist, ist kein Verlust, sondern unwiederbringliche Zeit.“
„Der Stacheldraht
im Zentrum der Installation verwandelt die Grenze von einer geografischen Linie
in eine dauerhafte, in Körper und Erinnerung eingeprägte Erfahrung. Diese
Installation ist nicht als ästhetische Komposition konzipiert; sie will den
Betrachter unmittelbar die Unterbrechung zwischen Heute und Gestern und deren
ethische Tragweite spüren lassen. Das Werk ruft zum Beobachten auf, nicht zum
Mitleid.“
Das Trauma ist,
wie bereits erwähnt, die Normalität. Der Krieg ist die Kontinuität und das
Labyrinth der Ausstellung ist die konstante Realität. Der Zuschauer geht in das
Labyrinth. Er bleibt dort freiwillig gefangen und erlebt die Dunkelheit der
Gefangenheit akustisch als eine permanente Erfahrung. Die Kinder lehren akustisch
und visuell den Krieg. Die Schreie der Kinder prägen sich im Kopf und in der
Seele des Zeugenzuschauers ein. Gleichzeitig beleuchtet die Führung der
Ausstellung die verschiedenen Sätze auf den grauen Wänden des Labyrinths.
Gewalt und Brutalität werden zum Alltag und sind keine Ausnahmen. Aus diesem
Labyrinth flieht man nicht, man bleibt, hört zu und lernt schmerzvoll den
Widerstand, der dann als Echo bleibt, nachdem man die Ausstellung verlassen
hat.
Wenn die Bomben schlafen, können auch wir schlafen
Gibt es im Paradies Schokolade?
Allah ist mit uns
„Was hier
geschieht, ist keine Abweichung, sondern die Ordnung selbst.“
Der Zuschauer
kommt aus der Nummer nicht mehr raus. Das ist kein Fluchtraum, das ist sein
Zeugnis von Palästina, der zionistischen Kolonie des Nahen Ostens der Kinder
wie Hanzala.
Der andere Raum, in dem die Namen der Märtyrer gelesen werden, erfüllt dieselbe Funktion. Auch hier flieht der Zeuge nicht, sondern bleibt. Die Dialektik zwischen Zeugnis und Zeuge wird aufgehoben. Wir befinden uns im post-dialektischen Raum der Antwort der Palästinenser auf den zionistischen Staat und seine überholte Dialektik.
28/10/2025
Junge AutorInnen von Palestine Nexus in Gaza reflektieren über zwei Jahre Völkermord
Zachary
Foster, Palestine Nexus, 16.10.2025
Übersetzt von Tlaxcala
Das palästinensische Volk in Gaza hat zwei Jahre des Völkermords überlebt. Und doch, trotz der andauernden Vertreibungen, der Hungerkampagne und der Massenmorde, weigerten sich Gazas junge AutorInnen zu schweigen. Sie berichteten über ihre ausgehungerten Körper, ihre Nahtoderfahrungen und den Kampf, Nahrung, Medizin, Wasser und Unterkunft zu finden. Sie reisen stundenlang, um eine Internetverbindung zu finden, schreiben mit leerem Magen, während sie ihre Familien unterstützen und anderen helfen, denen es noch schlechter geht. Sie riskieren täglich ihr Leben, um Palästinas Geschichten der Welt zu erzählen, und wir werden für immer ihre Tapferkeit und Widerstandskraft bewundern. Hier sind einige ihrer Reflexionen über die letzten zwei Jahre.— Dr. Zachary Foster, Gründer von Palestine Nexus
Hani Qarmoot, 22, Journalist und Geschichtenerzähler aus dem Lager Jabalia
Rama Hussain AbuAmra, 23, Schriftstellerin und Übersetzerin aus Gaza-Stadt
— Rama Hussain AbuAmra
— Dalal Sabbah
Khaled Al-Qershali, 22, freier Journalist aus Al-Nasser
Ghaydaa Kamal, 23, Journalistin und Übersetzerin aus Khan Yunis
23/10/2025
Israels Regierung rühmt sich des Sadismus, des Missbrauchs und der Folter
Gideon Levy, Haaretz, 23.10.2025
Übersetzt
von Tlaxcala
Anm. d. Übers.: Da wir es satthaben, dass das Wort „Geiseln” zur Bezeichnung der am 7. Oktober gefangengenommenen Israelis ständig verwendet und missbraucht wird, haben wir uns entschieden, diesen Begriff durch „Entführte” zu ersetzen.
Die Rückkehr der Entführten hat die allen bekannte Wahrheit offenbart:
Israels schlechte Behandlung palästinensischer Gefangener verschlimmerte die
Bedingungen der in Gaza festgehaltenen Israelis. Es ist nun klar, dass das Böse
seinen Preis hatte.
Nadav Eyal berichtete am Mittwoch in Yediot Aharonot, dass der Sicherheitsdienst Schin Bet bereits Ende 2024 gewarnt habe, dass die Äußerungen des Ministers für Nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir die bereits schrecklichen Bedingungen, denen die Entführten ausgesetzt waren, verschärften — und niemand habe sich darum gekümmert.
Palästinensische Gefangene, die auf ihre Freilassung im Gefängnis Ofer warten. Bild: Tali Meir
Jedes Mal, wenn Ben-Gvir sich mit den Misshandlungen
brüstete, die er anordnete — über die sich der Journalist Yossi Eli in seinen
sadistischen Reportagen auf Channel 13 über die Vorgänge in israelischen
Gefängnissen ergötzte —, kam die Vergeltung aus den Tunneln.
„Wir werden kämpfen“: Kann die israelische Filmindustrie Boykotten und der
Regierung Netanjahu standhalten?
Es ist unangenehm, israelisches Unrecht einzugestehen.
Aber warum mussten wir zuerst von der Vergeltung der palästinensischen
Entführer erfahren, um über die Bosheit der israelischen Entführer entsetzt zu
sein? Was im Gefängnis Sde Teiman geschah (und weiterhin geschieht), war eine
Schande, unabhängig vom furchtbaren Leiden, das es den Entführten zufügte.
Es ist beschämend, dass der Missbrauch der Entführten nötig war, um Empörung über Israels Behandlung
seiner palästinensischen Gefangenen auszulösen, einschließlich der Schlagzeile
von Yediot Aharonot am Mittwoch, die sich bisher kaum dafür interessiert hatte,
was Israel tut.
Die britische Zeitung The Guardian berichtete diese
Woche, dass mindestens 135 verstümmelte und zerstückelte Leichen nach Gaza
zurückgebracht wurden. Neben jedem der verstümmelten Leichen fanden sich
Zettel, die darauf hinwiesen, dass sie in Sde Teiman festgehalten worden waren.
Auf vielen der Bilder war zu sehen, dass ihre Hände auf dem Rücken gebunden
waren.
Nicht wenige wiesen Anzeichen von Folter auf, darunter
Tod durch Erwürgen, von einem Panzer überfahren zu werden und andere Mittel. Es
ist unklar, wie viele nach ihrer Festnahme getötet wurden. Sde Teiman war ein
Sammelpunkt für Palästinenser, die an anderen Orten getötet wurden.
Der Palästinensische Gefangenenclub berichtet, dass etwa
80 palästinensische Häftlinge, die im Gefängnis getötet wurden, die Wahrheit
unterschätzt haben könnten. The Guardian sah nur einige der Leichen und
bestätigte die Anzeichen von Misshandlungen, sagte aber, sie könnten aufgrund
ihres Zustands nicht veröffentlicht werden. Der Körper des 34-jährigen Mahmoud
Shabat wies Anzeichen auf, dass er aufgehängt worden war. Seine Beine waren von
einem Panzer zerdrückt worden, und seine Hände waren auf dem Rücken gefesselt. „Wo ist
die Welt?“ fragte seine Mutter.
Die Lage der lebenden Palästinenser, die freigelassen
wurden, ist kaum besser. Viele konnten bei ihrer Freilassung kaum stehen, ein
Fakt, der in den israelischen Medien kaum behandelt wurde.
Dr. Ahmed Muhanna, Direktor des Al-Awda-Krankenhauses in
Jabaliya, der im Dezember 2023 weggebracht und während des Waffenstillstands
freigelassen worden war, sagte diese Woche, er sei während seiner Inhaftierung
von Ort zu Ort gebracht worden, darunter an einen Ort, den er als „Zwinger“
bezeichnete, wo Soldaten ihn mit furchterregenden Hunden misshandelten.
Das abgemagerte Erscheinungsbild des Arztes ließ keinen
Zweifel an den Bedingungen seiner Haft. Israel hält 19 weitere Ärzte aus Gaza
unter ähnlichen Bedingungen fest.
Wir sollten uns an die Bedingungen erinnern, unter denen Adolf Eichmann festgehalten wurde. Niemand misshandelte ihn körperlich, bevor er auf richterliche Anordnung hingerichtet wurde.
Freigelassene palästinensische Gefangene tragen Gewehre, als sie nach ihrer
Freilassung aus israelischen Gefängnissen in den Gazastreifen zurückkehren,
nach einer Waffenstillstandsvereinbarung zwischen der Hamas und Israel, vor dem
Nasser-Krankenhaus in Khan Younis im Süden des Gazastreifens im Oktober. Bild:
Abdel Kareem Hana, AP
Damals prahlte Israel mit den Bedingungen seiner Haft.
Heute rühmt sich die Regierung des Sadismus, des Missbrauchs und der Folter.
Sie tut dies, weil sie die Seelen ihrer Bürger kennt. Die Mehrheit der Israelis
ist rachsüchtig und billigt den Missbrauch.
Mit Ausnahme von Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen,
B’Tselem und dem Komitee gegen Folter hat sich kaum jemand gegen das, was
geschah, ausgesprochen. Für Nukhba-Terroristen ist alles erlaubt.
Die Definition dessen, wer dazugehört, umfasst alle, die
es wagten, am 7. Oktober nach Israel einzudringen. Der Journalist Ben Caspit
sagte diese Woche, alle Nukhba-Kämpfer sollten hingerichtet werden. Es scheint,
dass Schin Bet, der israelische Gefängnisdienst und die israelischen
Verteidigungsstreitkräfte die Arbeit bereits ernsthaft begonnen haben.
Israels einzige Sorge gilt dem Schaden, der den Entführten
zugefügt wurde. Alles andere wird
vergeben. In vielen Fällen freuen wir uns sogar, schätzen und befürworten den
Missbrauch. Wir
wollten Sadismus; wir bekamen Sadismus.
30/09/2025
BAHMAN KALBASI
In seinen Erklärungen vertritt das US-Außenministerium die Einstellungen Israels
Interview mit Shahid Qureshi, der wegen Nichterfüllung entlassen wurde
Bahman Kalbasi, BBC Persian,
17.9.2025
Bahman
Kalbasi ist Korrespondent der BBC Persian bei den Vereinten Nationen in New
York.
Übersetzt von Tlaxcala
Shahid Qureshi arbeitete im Büro für globale öffentliche Angelegenheiten des US-Außenministeriums (State Department) und wurde kürzlich von seinem Posten entlassen. In einem Sonderinterview mit Bahman Kalbasi erklärt Herr Qureshi: Die Beileidsbekundungen gegenüber den Familien der palästinensischen Journalisten, die von der israelischen Armee in Gaza getötet wurden, und die Betonung der Ablehnung der ethnischen Säuberungen in Gaza durch die USA seien Positionen gewesen, die er gemäß dem üblichen Verfahren in die Erklärungen des Außenministeriums aufnehmen wollte, und deshalb sei er entlassen worden. In seinem ersten Interview mit einem persischsprachigen Medienunternehmen nach seiner Entlassung aus dem US-Außenministerium spricht Herr Qureshi über die Geschehnisse und seine Erfahrungen unter verschiedenen US-Verwaltungen.
Bahman
Kalbasi: In den Monaten nach Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat der
Druck auf eine Reihe von Aktivisten und Studenten, die sich gegen Israels Krieg
in Gaza aussprechen, zugenommen; von den Bemühungen der Regierung, einige, die
keine US-Bürger waren, auszuweisen, bis hin zur Entlassung anderer aus ihren
Jobs. Shahid Qureshi arbeitete in der PR-Abteilung des US-Außenministeriums und
wurde kürzlich aus seinem Job entlassen. Er hatte versucht, gemäß dem üblichen
Verfahren Beileidsbekundungen für die Familien palästinensischer Journalisten,
die vom israelischen Militär getötet wurden, und die Ablehnung der ethnischen
Säuberung in Gaza in die Erklärungen des Außenministeriums aufzunehmen. Er
sagt, genau deshalb sei er entlassen worden. Dies ist sein erstes Interview mit
einem persischsprachigen Medienunternehmen seit seiner Entlassung aus dem
US-Außenministerium, in dem er über seine Erfahrungen in der vorherigen und der
aktuellen Verwaltung sowie über die Geschehnisse spricht.
Ich
bin Bamdad Kelbasi und spreche in einem „Special Dialogue“ mit diesem
ehemaligen Mitarbeiter des Außenministeriums.
Shahid Qureshi, vielen Dank für die Gelegenheit, die Sie BBC Persian bieten. Bevor wir zum Kern der Sache kommen, könnten Sie ein wenig über sich selbst sprechen? Wo sind Sie geboren? Wo sind Sie aufgewachsen?
Shahid
Qureshi: Ja, ich wurde 1991 in Seattle
geboren. Ich studierte Internationale Beziehungen an der University of
Washington. Meine Eltern stammen aus der Stadt Saveh im Iran und kamen um die
Zeit der Revolution nach Amerika. Nach meinem Bachelor-Abschluss ging ich nach
Washington D.C. und machte meinen Master im selben Fach, Internationale
Beziehungen.
Bahman
Kalbasi: Wie sind Sie zum US-Außenministerium gekommen?
Shahid
Qureshi: Schon in jungen Jahren, und
nach dem Einmarsch der USA in den Irak, wurde ich sensibel für die endlosen
Kriege, in die die USA verwickelt waren. Ich hatte das Gefühl, dass das Bild
des Irak, das sich in der amerikanischen öffentlichen Meinung vor der Invasion
gebildet hatte, dazu beitrug, diese Operation zu rechtfertigen. Wenn wir zum
Familienbesuch in den Iran reisten und nach Amerika zurückkehrten, beunruhigte
mich die ähnliche negative Darstellung, die über den Iran geformt wurde, und
dass sich das, was im Irak passiert war, auch für den Iran wiederholen könnte.
Deshalb engagierte ich mich sehr in zivilgesellschaftlichen Organisationen, die
sich für ein Ende der Kriege im Irak und in Afghanistan und die Verhinderung
einer Wiederholung im Iran einsetzten. Gleichzeitig reizte mich die Arbeit im
Außenministerium als Diplomat, sowohl um die Kräfte zu verstehen, die ein Land
in den Krieg treiben, als auch um diplomatische Wege zur Beilegung von
Streitigkeiten anstelle von Krieg zu finden. Ich bin sehr froh, dass ich eine
Weile dort arbeiten konnte.
Bahman Kalbasi: Als Sie zum US-Außenministerium kamen, was genau waren Ihre Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit? Was waren Ihre Pflichten?















