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17/03/2026

Bunter Totalitarismus, ein kritisches Wörterbuch
Autor Prof. Rudolph Bauer im Gespräch

In seinem Wörterbuch „Bunter Totalitarismus“ verbindet der Bremer Soziologe Prof. Rudolph Bauer mit Weitblick die beiden Begriffe „bunt“ und „totalitär“, um den zeitgenössischen Totalitarismus zu beschreiben und diesen gleichzeitig zu denunzieren, bevor es zu spät ist. In einer Welt, in der Gewalt, Militarismus, Einschränkung von Freiheiten, Überwachung, Rassismus, Diskriminierung und vollkommene Gleichgültigkeit und Empathielosigkeit auf dem Vormarsch sind, rütteln uns die Begriffe, die Bauer in seinem kritischen Wörterbuch anführt, auf, um unabhängig und kritisch zu denken, ohne sich von den bunten Farben dieses zeitgenössischen Faschismus blenden zu lassen. Dr. Rampoldi von ProMosaik hat den Autor interviewt. Dieses Wörterbuch spart uns die Lektüre vieler Werke. Es lehrt uns die kritische Hinterfragung einer Welt, die aufgrund ihrer Buntheit antifaschistisch aussieht, aber in Wirklichkeit totalitär strukturiert ist. 


Herr Prof. Bauer, erklären Sie uns bitte die Wahl des Titels Ihres Wörterbuchs.

Der Titel benennt die gesamtpolitische Entwicklungstendenz der Länder des Westens in Richtung einer als bunt verkleideten totalitären Herrschaft. „Bunt“ und „totalitär“ scheinen sich zu widersprechen. Der klassische Totalitarismus war uniform: mit einer Partei, einer Ideologie, einem Führer, einem Volk, einer Rasse, einem Kollektiv und einer einzigen Bestimmung, nämlich die Welt zu beherrschen. Der zeitgenössische Totalitarismus, der vor unseren Augen entsteht, scheint das Gegenteil zu sein. Er ist vielfältig und bunt wie der Regenbogen: geschlechterdivers, migrantisch, antifaschistisch und antirassistisch, „selbstbestimmt“, verschiedenartig und woke. Er gibt sich liberal, weltoffen, freiheitlich und demokratisch. Äußerlich grenzt er sich ab von der Ideologie des Retrofaschismus. Doch das entscheidende Element dieses Herrschaftssystems ist totalitär. Es zensiert und unterdrückt, grenzt aus und grenzt ab, sperrt ein und sperrt aus, ist militaristisch auf Eroberung und Weltdominanz ausgerichtet. Das sich anbahnende totalitäre Regime täuscht durch Buntheit an der Oberfläche über seinen wahren Charakter und tieferen Kern.

 Welche sind die Hauptthemen der Begriffe, die in Ihrem Wörterbuch vorkommen?

Die Stichwörter beziehen sich auf Institutionen, Organisationen, Personen und nicht zuletzt auf Begriffe und deren Bedeutung bzw. deren verwirrende Bedeutungsvielfalt. Die Stichwörter werden einerseits durch Querverweise zueinander in Beziehung gesetzt. So entsteht ein Gitter von Zusammenhängen, das uns gewahr werden lässt, dass wir hinter den Gitterstäben wie in Gefangenschaft leben. Oder anders formuliert: Es bildet sich ein dichtes Netz von Verknüpfungen, in die wir einbezogen sind und derer wir als Konsumenten der Tagesnachrichten nicht gewahr werden. Unser gewöhnliches Denken ist parzelliert. Wir sehen immer nur eine Seite des Schicksalswürfels der Realität. Wir sehen immer nur das Tagesgeschehen, nicht den allgemeinen, umfassenden Kontext. Ebenso wenig erkennen wir die geschichtlichen Zusammenhänge, welche sich bis in die Gegenwart auswirken und in die Zukunft fortpflanzen. Das Wörterbuch lässt Gegenwartsbeziehungen auf der horizontalen Ebene erkennen. Und es zeigt sowohl vertikale Bezüge in die totalitäre Vergangenheit als auch Entwicklungslinien in eine totalitäre Zukunft.