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“Smart and to the point” : Questions que se pose un vieil ouvrier qui lit et écrit
7 variations brechtiennes sur la solution finale de Volkswagen

„Smart and to the point“: Fragen eines alten lesenden und schreibenden Arbeiters
7 Brecht’sche Variationen über die „Endlösung“ von Volkswagen

“Smart and to the point”: Questions asked by an old worker who reads and writes
7 Brechtian variations on Volkswagen's final solution

“Smart and to the point”: Preguntas de un viejo obrero que lee y escribe
7 variaciones brechtianas sobre la solución final de Volkswagen

“Smart and to the point”: Domande di un vecchio operaio che legge e scrive
7 variazioni brechtiane sulla soluzione finale della Volkswagen

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22/01/2022

MICHAEL SCHNEIDER
„Das genetische Tschernobyl steht uns erst noch bevor!“
Ein fiktives Streitgespräch über die Privatisierung des Genpools und seine Folgen


Michael Schneider, 2002

Das folgende fiktive Streitgespräch * zwischen Craig Venter, dem „Bill Gates der Gene“, und  Erwin Chargaff, dem Nestor der Genforschung und international renommiertem Kritiker der Biotechnologie, schrieb Michael Schneider 2002 für den Deutschland-Radio. Die Warnungen und düsteren Prophezeiungen Erwin Chargaffs haben heute, da die in Bedrängnis geratenen transnationalen Oligarchien ihre Bevölkerungen mittels einer inszenierten „Pandemie“ in den Würgegriff genommen haben, die auf der Ebene der Global Governance beginnt und tief in die Souveränität des Individuums eingreift, eine geradezu gespenstische Aktualität gewonnen. Haben wir es doch mit einer aben wtransnationalen biopolitischen Machtergreifung zu tun, die per Massenimpfung mit genetisch manipulierten, kaum erprobten und hochriskanten mRNA-Impfstoffen direkt in die intrazellulären Steuerungsmechanismen eingreift und die natürliche Immunität nachhaltig schwächen, wenn nicht gar irreversibel zerstören.

*Für diese fiktive Talkrunde wurden viele Originalzitate aus den Interviews und Werken Erwin Chargaffs (bei Klett-Cotta erschienen) und aus den  Interviews von Craig Venter benutzt.

 

Moderatorin: Irgendwann war es Adam und Eva im Paradiese langweilig. Und dann haben sie vom Baum der Erkenntnis gegessen. So kam es nach christlicher Überlieferung zum Sündenfall. Erleben wir jetzt mit der Gentechnik den zweiten Sündenfall, Herr Chargaff?

Chargaff: Der Apfel vom Paradiesbaum, die erste Frucht der Erkenntnis, schmeckte noch süß. Der zweite ist mit Sicherheit verdorben, ein gentechnisch verändertes Produkt der Firma Monsanto! Gottes Handwerk mit Staunen zu begreifen, war das Ziel früherer Naturforscher von Newton bis Gregor Mendel. Gott sein Werkzeug aus der Hand zu winden und damit Kasse zu machen, ist das Ziel der heutigen Biologen und Forscher. Der Mensch hätte die Finger von zwei Kernen lassen sollen: vom Atomkern und vom Zellkern. Die Gentechnik wird noch weitaus schlimmere Folgen haben als die Atomenergie.

Moderatorin: Herr Venter! Sie haben mehr Gene geknackt als irgendein anderer Forscher der Welt. Mit Ihrer aus Mitteln der Privatwirtschaft finanzierten Firma Celera haben sie die Forscher des aus öffentlich finanzierten Mitteln Human Genom Projektes (HUGO) ein- und überholt. Als erster konnten Sie nun der Welt die frohe Botschaft verkünden: die „Blaupause des menschlichen Erbgutes“ liegt vor, die Kartierung des Genoms ist abgeschlossen! In der US-Presse nennt man Sie den „König“ oder den „Bill Gates der Gene“...Trägt die Schlange der Versuchung  heute einen weißen Laborkittel?

Venter: Ich bin weder Heilsprophet  noch Apokalyptiker, sondern Arzt und Wissenschaftler. Entgegen allen Kassandrarufen sind sich die Experten darin einig, dass die Entschlüsselung des Genoms die Medizin der Zukunft revolutionieren wird, daß wir mit ihrer Hilfe bis dahin unheilbare Krankheiten werden heilen können und daß wir erstmals in der Lage sein werden, vom bloßen Beobachter zum Architekten der Evolution zu werden.

Moderatorin: Das heißt doch nichts anderes, als daß wir nun selber Gott spielen wollen. 

Venter: Wir tun es schon längst - jedes Mal, wenn wir ein Verhütungsmittel benutzen oder eine Niere verpflanzen.

Moderatorin: Gentechnik und Biomedizin versprechen uns wahre Wunder: das baldige Ende der großen Volkskrankheiten und Epidemien wie Krebs, Aids und Alzheimer...

Chargaff: Nur zwei Epidemien entgingen bislang der Forschung: der Genrausch und das Börsenfieber.

Moderatorin: ...das Hinauszögern des Alterungsprozesses und sogar die Erzeugung neuer transgener Lebewesen und Chimären. Hat der achte Schöpfungstag begonnen, Herr Chargaff?

Chargaff: Im Gegenteil: die Epoche der Demiurgen, der größenwahnsinnigen Zwerge und geschäftstüchtigen Scharlatane, hat begonnen. Die Gesundheit ist der Vorwand, mit dem die heutigen Molekularbiologen, Gentechnokraten und Mediziner ihre gefährlichen Grenzüberschreitungen zu rechtfertigen suchen. Dem Fötus wird etwas entnommen, was, ins Gehirn eines Parkinson-Kranken verpflanzt, Wunder wirkt, zumindest für den Chirurgen. Tiefgefrorene Embryos werden schließlich zum Tod im Mistkübel verurteilt. Requiescat in dollaribus! Leihmütter streiten sich um Kind und Profit. In-vitro-babies kennen weder Vater noch Mutter, an ihrer Wiege standen milde lächelnd Pipetten und Pinzetten, vielleicht auch noch Gynäkologe und Advokat  mit ihren Schecks. Krankheit und Tod haben ihre feste Form im Menschenleben eingebüßt, und werden, als Irrtümer des Schicksals erkannt, einer sofortigen Korrektur unterzogen.

Venter: Immer wenn die Menschheit vor einem Quantensprung des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts steht, haben die Fortschrittspessimisten und professionellen Kassandras ihren großen Auftritt. Dann geht das Gezeter los: Blasphemie! Teufelswerk! Gegen die Einführung der Eisenbahn gab es seinerzeit nicht weniger Geschrei wie heute gegen die Errungenschaften der Gentechnologie, der Bio- und Reproduktionsmedizin. 

Hans Erni