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18/03/2026

„Warum gibt Iran nicht auf?“ – Trumps Frage zeigt das Iran-Desaster

@luxaitor_fitabogado_23

„Warum gibt Iran nicht auf?“ – Trumps Frage zeigt das Iran-Desaster

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Niederlage

Tag 17 des Iran-Krieges. Moment, lasst mich das nochmal sagen: Tag 17.

Und wisst ihr, was gerade in den Korridoren des Weißen Hauses passiert? Donald Trump sitzt in seinem Büro und fragt seine Berater eine Frage, die alles verändert: Warum geben die Perser nicht auf?

Das Wall Street Journal hat es geleakt. Der mächtigste Mann der Welt ist überrascht. Ich wiederhole: überrascht. Der Mann, der gesagt hat, dieser Krieg sei sehr bald beendet. Der behauptet hat, der Iran habe keine Marine, keine Luftwaffe mehr.

Dieser Mann versteht nicht, warum Teheran weiter kämpft. Und hier kommt der Teil, der mich die ganze Nacht wachgehalten hat: Seine Berater drängen ihn privat, einen Ausstieg zu suchen. Privat. Das bedeutet: öffentlich reden sie von Sieg, aber hinter verschlossenen Türen totale Panik. Das ist ein Geständnis der Schwäche.

Trump erwartete einen schnellen Sieg. Eine Wiederholung seines 12-Tage-Krieges vom letzten Juni. Aber die Realität sieht komplett anders aus.

Nach 17 Tagen feuert der Iran immer noch Raketen, hat die Straße von Hormuz vermint und – jetzt kommt’s – exportiert mehr Öl als vor dem Krieg. Plus 30 Prozent. Lasst das sacken.

Die USA bombardieren den Iran seit über zwei Wochen, haben angeblich 6.000 Ziele getroffen, die iranische Marine vernichtet, die Luftwaffe ausgeschaltet. Und trotzdem steigen die iranischen Ölexporte. Wie ist das möglich? China.

Die Chinesen nehmen jedes Barrel, das Teheran anbietet. Keine Sanktionen, keine Regeln, nur Business. Während Trump dachte, er würde den Iran in die Knie zwingen, haben die Mullahs ihre Schiffe umgeleitet, neue Handelsrouten aktiviert und machen mehr Geld als zuvor.

Das Wall Street Journal berichtet, dass Trump in Meetings immer wieder dieselbe Frage stellt: Warum kapitulieren sie nicht? Seine Berater haben keine Antwort. Oder besser gesagt, sie haben eine Antwort, aber Trump will sie nicht hören.

Die Antwort lautet: weil der Plan gescheitert ist. Weil das amerikanische Militär zwar Ziele treffen kann, aber keine politischen Lösungen aus der Luft bombardieren kann. Weil der Iran ein ganz anderer Gegner ist als Afghanistan oder der Irak.

Moment, es wird noch schlimmer. Trumps öffentliche Aussagen ändern sich täglich. Erst: bedingungslose Kapitulation. Dann: sehr bald beendet. Dann: praktisch nichts mehr zu bombardieren übrig.

Und jetzt diese verzweifelte Frage: Warum geben sie nicht auf? Das ist keine Strategie. Das ist Improvisation. Das ist ein Präsident, der merkt, dass sein größter außenpolitischer Gamble aus dem Ruder läuft.

Die Republikaner werden nervös. Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Amerikaner gegen diesen Krieg ist. Der Ölpreis ist auf über 100 Dollar pro Fass geschossen, kurzzeitig sogar auf 119 Dollar.

An den Tankstellen in den USA zahlen die Leute Rekordpreise. Die Zwischenwahlen kommen, und Trumps Berater wissen: Wenn der Krieg noch Wochen weitergeht, verlieren wir den Kongress.

Deshalb der Leak ans Wall Street Journal. Deshalb die private Aufforderung an Trump, einen Exitplan zu finden. Sie versuchen, den Präsidenten sanft in Richtung Ausgang zu schieben, ohne dass er sein Gesicht verliert.

Aber Trump ist Trump. Er kann nicht einfach aufhören. Er muss einen Sieg verkünden, auch wenn es keinen gibt.

Also sagt er der Presse: „Wir sind weit vor dem Zeitplan.“ Das ist orwellsche Sprache. „Vor dem Zeitplan“ bedeutet in Trumps Welt: Wir haben keinen Zeitplan mehr, weil der ursprüngliche Plan zusammengebrochen ist.

Und hier ist die Sache: Der Iran weiß das. Die Revolutionsgarden haben eine Erklärung rausgeschickt.

Der Iran wird bestimmen, wann der Krieg endet.

Das ist eine direkte Antwort auf Trumps Behauptungen. Teheran sagt dem mächtigsten Mann der Welt ins Gesicht: Du kontrollierst diesen Krieg nicht. Wir tun es.

Und die Fakten geben ihnen recht. 

16/03/2026

„Stupid Fury“: Trumps Neokolonialismus erklärt vom deutschen Theologen Bonhoeffer

Milena Rampoldi, 15.3.2026

Seit dem Ausbruch der usraelischen Aggression gegen die Islamische Republik Iran fühle ich mich wie der deutsche Theologe Dietrich Bonhoeffer, als er im NS-Gefängnis saß, obwohl mein Homeoffice in Istanbul natürlich viel komfortabler ist ,als seine Zelle je war. In seiner Zelle begann Bonhoeffer, über die Gründe und Wurzeln des brutalen Hitler-Regimes nachzudenken und erfasste, wie die Ursache dafür nicht in der Bosheit/im Bösen lag, sondern einfach mit reiner Dummheit zusammenhing.


Dasselbe Paradigma lässt sich auf die Präsidentschaft von Donald Trump und seinen episch wütenden Krieg gegen das satanische Regime des Iran anwenden, während es sich in Wirklichkeit um nichts anderes als um die brutale und kopflose Aggression gegen einen souveränen Staat im Maschrik handelt.

„Wir haben wiederholt versucht, einen Deal zu machen. Wir haben es versucht. Sie wollten diesen Deal machen. Dann wollten sie den Deal nicht mehr machen. Sie wollten diesen Deal machen. Dann wollten sie den Deal nicht mehr machen.“ 

In seinen Briefen aus dem Gefängnis bekräftigte der Theologe Bonhoeffer, dass Dummheit ein gefährlicherer Feind des Guten sei als die Bosheit und/oder das Böse an sich. Für mich persönlich nimmt diese Schlussfolgerung des protestantischen Theologen einen starken Einfluss auf den Kampf gegen Menschenrechts- und Völkerrechtsverletzungen wie die US-Kriege gegen souveräne muslimische Staaten. Wir erleben einen bedeutenden Paradigmenwechsel, im Sinne Kuhns, wenn wir den Standpunkt aufgeben, nach dem wir gegen das US-Böse kämpfen sollten, und wenn wir stattdessen sagen, dass die US-Dummheit der Feind der souveränen muslimischen Länder des Maschrik ist, wie die Dummheit der Feind der politischen Selbstbestimmung und des Antikolonialismus/Antiimperialismus ist.

„Mutige amerikanische Helden können ihr Leben geben und es kann, wie oft im Krieg, zu Opfern kommen. Wir tun dies nicht für die Gegenwart, sondern für die Zukunft, und es ist eine edle Mission.“

Bonhoeffer geht jedoch in seinen Überlegungen sogar noch einen Schritt weiter, indem er aufzeigt, dass Gewalt nicht einmal in der Lage ist, sich der Dummheit zu widersetzen, während sie ein wirksames Mittel ist, wenn wir uns dem Bösen widersetzen müssen. Wenn wir von der Annahme ausgehen, dass Trump für die Dummheit und nicht für das Böse steht, werden wir verstehen, dass wir unsere Strategie ändern müssen, um uns seinen neoimperialistischen Kindertötungsphantasien in muslimischen und anderen (Venezuela, Kuba und mehr) Ländern zu widersetzen.

Warum ist Dummheit in der Politik so gefährlich? Bonhoeffer hat die Antwort: Dummheit wird von der Mehrheit der Menschen ausgeklammert, weil viele denken, dass es sich nicht lohnt, diese überhaupt in Betracht zu ziehen. Und das ist ein Fehler, weil wir dann das Wesen der Dummheit nicht erfassen, die Bonhoeffer zufolge kein geistiger, sondern ein „menschlicher“ Mangel ist.

Wenn wir das Phänomen der Dummheit aus psychologischer und dann soziologischer Sicht analysieren, verstehen wir ein grundlegendes Merkmal desselben, und zwar dass die Dummheit mehr in Gruppen als in Einzelpersonen auftritt. Trump und seine Dummheit sind Teil eines Systems, einer US-amerikanischen Lebensweise, in der die Steuerzahler von blanker Dummheit angetriebene Angriffe auf Mädchenschulen, Museen und Krankenhäuser im Iran finanzieren.

„Aber ja, Sie wissen schon, wir erwarten einige Dinge. Wie ich schon sagte, werden Menschen sterben. Wenn man in den Krieg zieht, sterben Menschen.“

Wenn wir uns anhören, was Bonhoeffer vorschlägt, müssen wir von der isolierten Marionette Donald zum „Epstein“-System übergehen, zu dem er gehört. Das bedeutet, dass Dummheit kein psychologisches Thema bleibt, sondern zu einem soziologischen Gegenstand wird. Deshalb sollten wir die sogenannte „Soziologie der Dummheit“ als Disziplin einrichten, um den Neoimperialismus von Trump zu analysieren und die US-Besatzung muslimischer und anderer Länder zu überwinden.

In einem neokolonialistischen Regime wie den Vereinigten Staaten braucht die Macht der herrschenden Klasse der machtsüchtigen AIPAC-Neozionisten die Dummheit der blinden US-Steuerzahler, um zu überleben, denn Dummheit und neoimperialistischer Größenwahn gelten als das perfekte Gegenstück von Zivilcourage und Auflehnung gegen die Ungerechtigkeit. Dumme Leute glauben an das Narrativ der herrschenden Klasse. Und das führt zur Fortdauer eines US-Neokolonialismus, der vom zionistischen 2.0-Regime geprägt ist, das von den Eretz-Israel-Phantasien angetrieben wird. Im Folgenden möchte ich den Abschnitt aus Bonhoeffers Briefen aus dem Gefängnis mit dem Titel „Dummheit“[1] vorstellen, um die Leser anzuspornen, ihre Zivilcourage neu zu gestalten, da wir einen Krieg gegen die Dummheit und nicht gegen das Böse führen müssen:

„Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit.

Gegen das Böse lässt sich protestieren; es lässt sich bloßstellen; es lässt sich notfalls mit Gewalt verhindern. Das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurücklässt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos.

Weder mit Protesten noch durch Gewalt lässt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht. Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch –, und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht.

Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich.

Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. Soviel ist sicher, dass sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr schwerfällige, die alles andere als dumm sind.

Diese Entdeckung machen wir zu unserer Überraschung anlässlich bestimmter Situationen. Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, dass die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als dass unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, beziehungsweise sich dumm machen lassen.

Wir beobachten weiterhin, dass abgeschlossen und einsam lebende Menschen diesen Defekt seltener zeigen als zur Gesellung neigende Menschen oder Menschengruppen. So scheint die Dummheit vielleicht weniger ein psychologisches als ein soziologisches Problem zu sein. Sie ist eine besondere Form der Einwirkung geschichtlicher Umstände auf den Menschen, eine psychologische Begleiterscheinung bestimmter äußerer Verhältnisse.

Bei genauerem Zusehen zeigt sich, dass jede starke äußere Machtentfaltung – sei sie politischer oder religiöser Art – einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. Ja, es hat den Anschein, als sei das geradezu ein soziologisch-psychologisches Gesetz. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen.

Der Vorgang ist dabei nicht der, dass bestimmte – etwa intellektuelle – Anlagen des Menschen plötzlich verkümmern oder ausfallen, sondern dass unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt wird und dass dieser nun – mehr oder weniger unbewusst – darauf verzichtet, zu den sich ergebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden.

Dass der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, dass man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen usw. zu tun hat.

Er ist in einem Bann, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen missbraucht und misshandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen. Hier liegt die Gefahr eines diabolischen Missbrauchs. Dadurch werden Menschen für immer zugrunde gerichtet werden können.

Aber es ist gerade hier auch ganz deutlich, dass nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, dass eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fällen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist. Bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen, verzichten müssen.

In dieser Sachlage wird es übrigens auch begründet sein, dass wir uns unter solchen Umständen vergeblich darum bemühen, zu wissen, was »das Volk« eigentlich denkt – und warum diese Frage für den verantwortlich Denkenden und Handelnden zugleich so überflüssig ist.

Das Wort der Bibel, dass die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei (Psalm 111,10), sagt, dass die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist.

Übrigens haben diese Gedanken über die Dummheit doch etwas Tröstliches: Sie lassen ganz und gar nicht zu, die Mehrzahl der Menschen unter allen Umständen für dumm zu halten. Es wird vielmehr darauf ankommen, ob Machthaber sich mehr von der Dummheit oder von der inneren Selbständigkeit und Klugheit der Menschen versprechen.“

Die einfache Schlussfolgerung lautet, dass der neokolonialistische Trumpismus und der neoimperialistische Donaldismus ein ernstes soziologisches Problem darstellen, das mit einer Dummheit verwoben ist, die, wenn man oberflächlich hinsieht, als Bösartigkeit erscheint. Und von der Dummheit kann man sich befreien, aber der Dummheit kann man sich nicht mit Gewalt entgegenstellen, und genau das ist der Fall, wenn wir uns die Besetzung des Nahen Ostens durch die usraelische Armee ansehen. Während das zionistische Israel 2.0 Implosion, Selbstzerstörung und Dekonstruktion benötigt, erfordern Trumpismus und Donaldismus einen internationalen Krieg gegen die Dummheit.

[1] Die Passage stammt aus Bonhoeffer D., Widerstand und Ergebung: Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, Gütersloher Verlagshaus, München 2005, S. 14-18

20/10/2025

Israel zwischen Vernichtungs- und Wahlkampfkrieg

Ameer Makhoul, Progress Center for Policies, 18.10.2025

إسرائيل بين حرب الإبادة وحرب الانتخابات

Übersetzt von Tlaxcala

Krieg auf allen Fronten, von Patrick Chappatte

Einleitung

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz haben erneut damit gedroht, den Krieg gegen den Gazastreifen wieder aufzunehmen, und mit dem Einsatz von Gewalt gedroht, falls die Hamas die Leichen der israelischen Gefangenen und Häftlinge nicht herausgibt.
Gleichzeitig hat der Minister für strategische Angelegenheiten, Ron Dermer, seine Kontakte zur Trump-Regierung intensiviert und Geheimdienstberichte vorgelegt, die behaupten, Hamas könne eine große Zahl von Leichen zurückgeben, ein Schritt, der als Vorbereitung auf ein US-amerikanisches grünes Licht für eine erneute militärische Eskalation gilt.

In der Zwischenzeit veröffentlichte das Forum der Familien der Gefangenen und Häftlinge einen öffentlichen Appell an Netanjahu und forderte die Wiederaufnahme des Krieges, solange nicht alle Leichen zurückgegeben seien, wodurch eine humanitäre Forderung zu einem politischen Instrument im innerisraelischen Machtkampf wurde.

Krieg im Dienst der Innenpolitik
Israels neue Kriegsdrohungen scheinen eher durch politische und wahlstrategische Bedürfnisse als durch unmittelbare militärische Ziele motiviert zu sein. Netanjahu und Katz haben den Krieg gegen Gaza sogar umbenannt: von „Goldene Schwerter“ zu „Krieg der Wiedergeburt“ oder „Krieg der Erneuerung“. Damit versuchen sie, die israelische Erzählung umzudeuten und ihn als Teil eines „Kriegs der sieben Fronten“ darzustellen:  Libanon, Syrien, Jemen, Irak, Iran, Westjordanland und Gaza.

Durch diesen Markenwechsel versucht Netanjahu, Forderungen nach Rechenschaft über die Ereignisse vom 7. Oktober 2023 abzuwehren,  insbesondere die Einrichtung einer offiziellen Untersuchungskommission, die er weiterhin mit der Begründung ablehnt, „Untersuchungen seien während des Krieges nicht möglich“. Diese Strategie steht in engem Zusammenhang mit den für den Sommer 2026 erwarteten Wahlen.

Lücken im Trump-Plan und regionale Auswirkungen
Israels Drohungen fallen mit den anhaltenden Debatten über die Details des sogenannten „Trump-Plans“ zur Beendigung des Krieges zusammen, ein Plan, den das ägyptische Außenministerium als „voller Schlupflöcher“ bezeichnete. Zu den ungelösten Punkten gehören:

  • Austausch von Leichen und Gefangenen,
  • Entwaffnung von Gaza und der Hamas,
  • Schrittweiser israelischer Rückzug,
  • Verwaltung und Wiederaufbau nach dem Krieg.

Palästinensische Schätzungen beziffern die Kosten für den Wiederaufbau Gazas auf 60 bis 70 Milliarden Dollar. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sollen jeweils etwa 20 Milliarden beisteuern wollen, allerdings unter der Bedingung von Stabilität, Entwaffnung und dem Rückzug der Hamas aus der Macht. Damit wird deutlich, dass finanzielle Hilfe eng an das entstehende politische und sicherheitspolitische Rahmenwerk gebunden ist.


Die Netanyahu-Regel…
— Im Kampf ums Überleben sind extreme Maßnahmen gerechtfertigt!
— … Besonders, wenn es um das Überleben meiner politischen Karriere geht!

David Horsey

Die innenpolitische Dimension
Eine Maariv-Umfrage zeigte eine Verbesserung der Position der Regierungskoalition nach der Freilassung der letzten Gruppe lebender Gefangener. Die Unterstützung für die Likud-Partei stieg, während die Partei Religiöser Zionismus unter Bezalel Smotrich die parlamentarische Schwelle überschritt. Im Gegensatz dazu fiel die Partei von Benny Gantz unter diese Schwelle.
Die Umfrage prognostizierte 58 Sitze für die Opposition, 52 für die Koalition und 10 für die arabischen Parteien, deren Anteil bei den nächsten Wahlen steigen könnte.

Für Netanjahu ist diese Konstellation ideal: Sie ermöglicht ihm, eine Sperrminorität zu bilden, die verhindert, dass die Opposition ohne Unterstützung einer arabischen Partei eine Regierung bildet, ein Szenario, das im zionistischen Konsens als inakzeptabel gilt. So könnte Netanjahu langfristig als Übergangspremierminister im Amt bleiben, mit minimaler parlamentarischer Kontrolle, was sein Interesse an vorgezogenen Wahlen erklärt, falls sich die Umfragetrends fortsetzen.

Zwischen Kriegsoption und Stabilitätsbedarf
Trotz der verschärften Rhetorik begrenzen sowohl innenpolitische als auch internationale Zwänge die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Krieges. Militärische, moralische und wirtschaftliche Erschöpfung in Israel sowie das Fehlen eines US-amerikanischen grünen Lichts machen eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zu einem politischen Risiko statt zu einer strategischen Chance.

Der Trump-Plan, der breite regionale und internationale Unterstützung genießt, bildet den Eckpfeiler des US-amerikanischen Ansatzes zur Wiederherstellung des Gleichgewichts im Nahen Osten, insbesondere im Hinblick auf die geplanten Normalisierungsabkommen mit Saudi-Arabien und Indonesien. Ein Scheitern seiner Umsetzung würde das Vertrauen in die Fähigkeit der USA, regionale Vereinbarungen zu steuern, untergraben.

Das Dilemma der Leichen und die Rolle regionaler Akteure
Die Frage der Leichen der Gefangenen ist ein echter Prüfstein für die Haltbarkeit des Abkommens. Israelische Quellen räumen große logistische Hindernisse ein, die durch die Zerstörung der Infrastruktur und der Tunnel in Gaza entstehen, wo viele der Leichen noch vermutet werden.

Die Regierung Netanjahu hat strikt abgelehnt, türkische Ausrüstung bei den Bergungsarbeiten einzusetzen, eine politisch motivierte Entscheidung, die darauf abzielt, den Einfluss der Türkei zu begrenzen und deren Haltung zu Syrien auszunutzen. Dennoch wächst in Israel die Zahl der Stimmen, die sich für eine von der Palästinensischen Autonomiebehörde geführte Verwaltung Gazas aussprechen, um ein Machtvakuum zu verhindern, das Hamas oder anderen externen Akteuren zugutekommen könnte.

Schlussfolgerung
Israels Drohung, den Krieg wieder aufzunehmen, ist in erster Linie ein wahl- und medienstrategisches Manöver, das darauf abzielt, die innenpolitische Unterstützung zu mobilisieren und die Frage der Gefangenen politisch auszuschlachten.

Es gibt keine konkreten Anzeichen für eine tatsächliche Absicht, den Krieg neu zu entfachen, angesichts des fehlenden US-amerikanischen Rückhalts, der anhaltenden gesellschaftlichen und militärischen Erschöpfung und des starken Widerstands innerhalb der Armee.
Die Umbenennung des Krieges in „Krieg der Wiedergeburt“ spiegelt den Versuch wider, Untersuchungen und politische Verantwortung für die Fehlschläge des 7. Oktober zu vermeiden.
Zentrale israelische Entscheidungen — Krieg oder Frieden — bleiben eng mit Netanjahus Wahlkalkül und seinem Bemühen verknüpft, seine Macht zu sichern.
Der entscheidende Faktor der kommenden Phase wird das Engagement Washingtons für den Trump-Plan sein, der derzeit den einzigen gangbaren Rahmen für die israelisch-palästinensische Arena darstellt.